»Poesie der Urteilstafeln«

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Kommentar

Kofler bezieht sich hier auf Kants in der „transzendentalen Logik“ der Kritik der Vernunft dargestellten Prinzipien des Denkens. Darin entwirft Kant zwölf Urteilsformen unter vier „Titeln“: Quantität, Qualität, Relation und Modalität, wobei jedes Urteil eine der zum jeweiligen Titel gehörenden Formen annehmen müsse. Kant ging es jedoch nicht um eine Klassifizierung der Urteile, sondern um eine Erfassung elementarer logischer Funktionen (Handlungen und Momente des Verstandes), die in den einzelnen Urteilen ausgeübt werden und darin zum Ausdruck kommen. „Die Tafel der zwölf Urteilsformen ist für Kant erschöpfend. Sie gibt ein vollständiges Bild der Leistungen des Verstandes“. (Wenzel 2011, 2287)

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 91

[...] Den Stock zwischen die Knie geklemmt auf der Sitzbank des Bordone-Saals im Kunsthistorischen Museum, schon kann es losgehen mit der Vernichtungsrhetorik, mit der Poesie der Urteilstafeln, mit der Schimpfkanonade, auf los! geht’s los! Ich brauche nur zu sagen: Dieses Land ist eine Senkgrube der Lächerlichkeit oder An jedem Morgen steigt uns die Schamröte ins Gesicht vor soviel Lächerlichkeit, und für die deutsche Literaturkritik, für den Zeitmichaelis oder diesen anderen Blödian von der Frankfurter Allgemeinen, ich habe seinen Namen vergessen, handelt es sich schon um eine Offenbarung, um eine literarische Weltverblüffung [...]


Zitiervorschlag:
„Poesie der Urteilstafeln“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.637, 2019-02.