Nationalpark

TEI version< zurück

Kommentar

Konkrete Pläne zur Errichtung eines streng geschützten Landschaftsteils in den Ostalpen gibt es seit ca. 1910. Erst in der „Vereinbarung von Heiligenblut“ 1971 konnten die rechtlichen und topographischen Grundlagen eines Nationalparks in Kärnten, Tirol und Salzburg festgelegt werden. Die Umsetzung stieß auf zahlreiche Schwierigkeiten, vor allem in Osttirol kam es zum „Widerstreit zwischen Naturdenkmal und Hoffnungsgebiet für die Energiewirtschaft“ (Floimair/Retter 1985, 50). Kärnten erklärte 1980 einseitig Teilgebiete zum Nationalpark, 1983 folgte Salzburg, Tirol erst 1992. Mit der „Dreiländervereinbarung“, einem „Staatsvertrag zwischen den drei Ländern und dem Bund“ (Kupper/Wöbse 2013, 144), wurde der Bestand des Nationalparks Hohe Tauern 1994 endgültig rechtlich abgesichert.

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 15

[...] Auch diese sogenannte Nationalparkidee, höre ich ihn sagen, ist, streng genommen, abzulehnen, bedeutet sie doch nur, daß außerhalb dieses geplanten Alpenzoos mit echten Bauern alles an Wildnis umso rücksichtsloser kaputtgemacht und ausgebeutet werden kann [...]

Am Schreibtisch, S. 16

[...] Und doch, fährt der Fremde nach einer Pause fort, und doch, würde dieser Nationalpark nur endlich errichtet! Und doch auch wieder nicht! Kaum wäre diese Wildnis eingezäunt, kaum wäre sie durch Straßen erschlossen, käme es in dieser Region zu einer noch höheren und beleidigenderen Konzentration von sogenannten sanften, tatsächlich nur seichten Touristen, als sie jetzt schon vorzufinden ist [...]

Am Schreibtisch, S. 18

[...] Dieser Kanzler sieht das Vollkommene und denkt an Zerstörung, er geht in die Wildnis und sieht sich nach Arbeitsplätzen um, absurd! Er und sein Slogan: Nichts versprochen, alles gehalten, mit dem er die Wahlen gewonnen hat! Dieser Macher, für den der Simmelkitsch und der Friedensfried Wahlempfehlungen abgegeben haben, hat kein Brett, sondern eine Staumauer vor dem Kopf, dieser Mann verwechselt den Nationalpark mit der Nationalbank [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 258

[...] selstelle plötzlich innegehalten, Kopf und Oberkörper wie horchend über den Abgrund hinausgelehnt und auf einmal gerufen habe: Hören Sie nur, hören Sie es auch? Daß er, auf die Gegenfrage: Was denn? geantwortet: Die Blasmusik, tief unten, den gemischten Chor, hören Sie nicht? Eine Wallfahrt, die Wörgl-Bewegung, die Wallfahrt der Wörgl-Bewegung muß das sein, so hören Sie doch, hören Sie, wie sie singen, blaue Schals und weiße Stutzen/weiße Stutzen, blaue Schals – Schon wieder! Sie hören nicht auf damit, nein? –, und wie mitsingend den Mund und wie mitdirigierend die Arme bewegt habe, um dann auszurufen: Die Nationalparkhymne [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 277

[...] Laiendarsteller werden im sogenannten Nationalparkhaus in Döllach leicht anzuwerben sein, Leute, nicht einmal ungeübt in solchen Dingen, stellen sie doch bei jeder Gelegenheit die bald zweihundert Jahre zurückliegende Großglockner-Erstbesteigung in Originaltrachten, mit Leitern und Stöcken, nach; die Oberen Mölltaler, die nicht mit den fidelen Mölltalern zu verwechseln sind, sind überhaupt große Nachsteller und Schausteller, Wochen sind sie oft mit Packpferden unterwegs, um, die Hohen Tauern, keltisch Tur, Übergang, überwindend, dem Bischof von Salzburg Wein aus dem Friaul oder dem Veneto zu liefern [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 333

[...] Das Glockner-Brot, inzwischen heißt es leider Nationalpark-Brot, hätte ich nun beinahe vergessen [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 340

[...] stalten, diese Attraktion in ihr Nationalparkprogramm aufzunehmen, oder sie, das wäre das mindeste gewesen, in den Annalen festzuhalten; gut, mochten sie weiterhin Töpferkurse anbieten, Brotbacken und Seidenmalerei, das Betrachten eines aus Holz nachgeschnitzten kleinen Großglockners oder die Goldegger Gespräche! Bubendorfer und ich gingen verstimmt, im Unfrieden, auseinander – ja zuletzt hätte ich noch an allem Schuld gehabt, nur weil er es wahrscheinlich doch an Schwung, an Überzeugungskraft hatte fehlen lassen, wie sonst wäre ihm das Faß zweimal entglitten! Bubendorfer trank noch weniger als immer schon, es ging mit ihm bergab; ich aber tat mich mit sogenannten Kreativen zusammen, nein, nicht mit der Werbeagentur Knapp, Villach, sondern mit der Agentur Zlöbl, Tristach bei Lienz, um – in einer klaren Nacht im Gebirge, wo sonst, war es mir eingefallen – das SISYPHOSPROGRAMM zu entwickeln und anzubieten [...]


Zitiervorschlag:
Nationalpark. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.59, 2019-02.