Otello

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Kommentar

s. Eintrag ›Nieder, mit dir‹

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 25

[...] Und? Was gleicht tatsächlich auf Erden dem Jägervergnügen! Und aus dem Haus zu gehen und wieder dorthin zurückzukehren, erfolgreich oder auch erfolglos, aber zurückkehren, das ist ja etwas, das ist gar nicht so einfach, gar nicht so selbstverständlich; als Gestalter der Verhältnisse und nicht als deren Opfer das Haus zu verlassen und früher oder später wieder zu betreten, dazu gehört viel! Es gehört ja schon einiges dazu, sein Haus als tatsächliches Opfer der Verhältnisse, also in der Vorgeschichte der Menschheit, dem Anschein oder der Vorstellung nach aber als Beherrscher der Verhältnisse, als Mensch also, zu verlassen, seiner Wege zu gehen, das Trinklied aus Othello [...]

Am Schreibtisch, S. 63

[...] meinen Angaben und Vorschreibungen zuwiderhandelnde Inszenierung das Theater wieder zusammengefügt, das Theatralische statt zerstört gerettet worden – ich sage Ihnen: Die reine Bosheit, die pure Blödheit! Statt daß eine Vernichtung aufgeführt worden wäre, haben diese Kellertheaterschlächter die Aufführung vernichtet, eine Festwochenaufführung, stellen Sie sich vor! Aber diesmal – wie hat man früher gesagt? Aus Fehlern lernen! –, diesmal werde ich schlauer sein, diesmal schreibe ich kein Leerstück, keinen Exzeß, sondern ein Sprechstück mit Musik, das Stadttheater heißen wird, Stadttheater, ein Sprechstück mit Musik, gut, nicht? Denn Sie müssen wissen: Obwohl ich seit Jahrzehnten das Theater meide, komme ich ja eigentlich vom Theater her, ich bin ja am Klagenfurter Stadttheater unter der Intendanz von Otto Hans Böhm Komparse gewesen, meine Klagenfurter Stadttheater-Erfahrungen reichen fürs Leben! Seit der Spielzeit 1964/65, seit meiner Othellound Zauberflötenzeit, meinen Rosenkavalierund Freischützerfahrungen habe ich mich von jedem Theater, von jedem Sprechstück vor allem, ferngehalten [...]

Am Schreibtisch, S. 64

[...] Obwohl in der Zauberflöte und im Othello zuhause, habe ich die Zauberflöte oder den Othello nie in einem anderen Haus mir angesehen, auch nicht, um zu vergleichen, wie andere Komparsen den Mohrensklaven anlegen oder die Posaune heben; wie andere Wachkommandanten auf den Zinnen postiert sind oder andere Musikanten im Freischütz um den Tisch hüpfen, ich habe es nie verglichen [...]

Am Schreibtisch, S. 76

[...] Nieder, mit dir, auf den Boden (Othello) [...]


Zitiervorschlag:
Otello. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.361, 2019-02.