Süskind

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Kommentar

s. Eintrag ›Süskind-Syndrom‹

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 55

[...] jeweiligen Stücke prüfend an seinen Riechkolben hielt, um sie entweder an sich zu nehmen oder widerwillig fallen zu lassen; seine Nase war vom Hineinstecken in die Botschaften, die diese Unterhosen ihm erzählen mochten, vom Beriechen dieser toten Briefkästen rot und entzunden; wie heißt denn die Perversion eines so bedauernswerten Menschen, nein Fetischismus ist es nicht, irgendein Syndrom, das Süskind-Syndrom, kann das sein? Wie immer [...]

Am Schreibtisch, S. 60

[...] Vor meinen Augen und unter meinem Namen beginnt dieser Mensch die Einrichtung der sogenannten Bestsellerliste zu feiern, sie halte einen so wunderbar auf dem laufenden, das kann kein Zufall, das muß Absicht sein, dieser Mensch macht sich über mein Unglück und über die Literatur lustig, er ist also doch ein Mitarbeiter der Weltverschwörung! Was glauben Sie, was ich mache? Ich springe auf, gehe zum Tisch dieses unwürdigen Namensvettern und sage: Schwachkopf! Affe! Aber er grinst mir frech ins Gesicht, hält das Buch „Das Parfum“ von Süskind in die Höhe und sagt genüßlich: Literatur, große Literatur [...]

Am Schreibtisch, S. 105

[...] Ich, keiner Partei verpflichtet, als verpflichtete Partei, das ist gut! Was besitzen Sie, lese ich, Besitzen Sie Bargeld? Bargeld, ich? Wertpapiere, Sparbücher, Pfandscheine? Heiße ich Süskind? Schmuck und sonstige Wertsachen, kostbare Möbel, Uhren, Ketten? Heiße ich Konsalik oder Uta Danella? Ja, ich besitze eine Kette, sie ist an der Wohnungstür befestigt, eine Sperrkette, die ich nachts vorlege, um dem Gerichtsvollzieher am Morgen das Eindringen zu erschweren [...]


Zitiervorschlag:
Süskind. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.317, 2019-02.