»Das Verbrechen hat Namen und Anschrift«

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Kommentar

Eine popularisierte, häufig in dieser Form auftretende Verkürzung eines 1940 entstandenen Epigramms aus Bertolt Brechts Kriegsfibel . Brecht schrieb in diesem Werk prägnante Vierzeiler zu gesammelten Fotografien, er nannte sie im Arbeitsjournal „Fotoepigramme“. (vgl. Kienast 2001, 7) Das betreffende Epigramm entstand zu einem Foto eines Hauses, das nach einem Bombentreffer zu einem Trümmerhaufen zusammengefallen ist, auf dem eine Frau herumirrt: „Such nicht mehr, Frau: du wirst sie nicht mehr finden! [/] Das Schicksal aber, Frau, beschuldige nicht! [/] Die dunklen Mächte, Frau, die dich da schinden [/] Sie haben Name, Anschrift und Gesicht.“ (Brecht 1988b, 172) Erst 1955 kam eine Buchausgabe der Kriegsfibel heraus, der westdeutsche Reprint 1978 bescherte dem Werk „eine ungeahnte Karriere in der westdeutschen Friedensbewegung“ (Kienast 2001, 8).

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 58

[...] Das Verbrechen hat Namen und Anschrift, nach dieser Maxime bin ich immer vorgegangen, nichts ist passiert; niemand hat die Justiz beansprucht gegen mich, mit voller Absicht natürlich [...]


Zitiervorschlag:
„Das Verbrechen hat Namen und Anschrift“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.311, 2019-02.