Platz des Widerstandes

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Kommentar

InBielefeld nannte man 1983 den Bahnhofsvorplatz „Platz des Widerstandes“, um an Verfolgte und unbekannte Widerstandskämpfer während der nationalsozialistischen Herrschaft zu erinnern. 1990 kehrte man zum Namen „Bahnhofsplatz“ zurück, da „eine Ortsbezeichnung, die der Orientierung dient“, vorzuziehen sei. (vgl. Pollmann 1990) Diese Benennung blieb die einzig bekannte.

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 45

[...] Aber wie denn stillgelegt, wenn ich darin wohnte? Ich ging doch durch die Drehtür, aus der halbdunklen Halle tauchte plötzlich ein Portier in schwarzer Livree auf, das Hoheitszeichen der gekreuzten goldenen Schlüssel an den Rockaufschlägen, selbst der Aufzug war in Betrieb, und ein Frühstück wurde mir serviert? Andrerseits, die stillen, menschenleeren Flure, die dunklen Speisesäle und Bridgezimmer, die kalte Zentralheizung im Januar? Und doch mußten außer mir noch andere Gäste im Hause sein, denn als ich einmal verspätet ins Hotel zurückkehrte, kam der Portier gelaufen und sagte mit einem vorwurfsvollen Unterton: Schnell, schnell! Wo sind Sie nur so lange gewesen? Herr Arbeitsdienstführer Hierl und Herr Wehrwirtschaftsführer Oetker erwarten Sie schon! – Nein, das mußte mir geträumt haben; in bestimmten deutschen Hotelzimmern muß ich immer, eine Art Zwangsvorstellung, an durchreisende SAoder SS-Chargen denken, wie sie sorgfältig die Uniform in den Schrank hängen oder über den Stuhl legen, wie sie sich, mit hinabhängenden Hosenträgern, rasieren am Morgen und die Haare naß kämmen, bereit zu neuen Taten, oder wie sie – genug jetzt! – vor dem Verlassen des Zimmers noch einen Blick aus dem Fenster werfen etwa auf den Platz der Volkserhebung, so wie ich manchmal vom Hotelzimmerfenster auf den Platz des Widerstandes hinuntersah [...]


Zitiervorschlag:
Platz des Widerstandes. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.251, 2019-02.