view master

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Kommentar

Mit diesem Ende der 1930er Jahre in den USA entwickelten Gerät kann man stereoskopische Bilder betrachten, die auf einer kreisförmigen Kartonscheibe angebracht sind, die man in das Gerät schiebt und mit einem Hebel weiterdrehen kann.


„View Master“, Stereo-Kamera
Foto: John Alan Elson, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:View_Master_Stereo_Camera_front_-_square_crop.jpg,CC BY 3.0 SA

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 36

[...] als einem Tischwein, wurde nur an Sonntagnachmittagen oder an langen Winterabenden getrunken, zu den einzigen Vergnügungen der kinderlosen Eheleute Unterwelz, dem Dominospiel oder dem „Durchschau’n“, dem Betrachten von Farbbildfolgen in einem view master, einem stereoskopischen Apparat und damals raren Geschenk eines nach Übersee ausgewanderten Verwandten, genauer meines mir unbekannten Großonkels in Amerika, des einzigen männlichen Benedikter, der in den Staaten nach der Jahrhundertwende sein Glück gemacht hat und ebenfalls kinderlos geblieben ist; ich, Karl Roßmann, wäre der rechte Großneffe gewesen! – Inzwischen sind das Unterwelzhaus, der Schuppen und der Ziehbrunnen (mein Haus!, meine Holzlage!, mein Ziehbrunnen!) weggerissen und der Garten verwüstet, alles ist zerstört, der Erbe, ein Kriminalpolizist und Segelflieger, hat mit der für einen Kriminalpolizisten und Segelflieger nur typischen äußersten Rücksichtslosigkeit alle haushaltlichen und landwirtschaftlichen Geräte wie auch das gesamte Interieur als Gerümpel auf eine Mülldeponie gekippt, die Gemüsebeete und Obstbäume entfernt (in meinen Träumen bewege ich mich immer noch in ihrem Schatten), einen Rasen angelegt und einen modernen Bungalow mit Betonterrasse hingebaut, hingeschissen [...]


Zitiervorschlag:
view master. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.205, 2019-02.