Lublin

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Kommentar

Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft im Osten Polens. Von Lublin aus wurde (1942): /43 unter der Leitung von Odilo Globocnik (s. Eintrag ›Globotschnigg‹) die „Aktion Reinhardt“ organisiert, die systematische Ermordung der jüdischen Bevölkerung im „Generalgouvernement“ Polen.

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 33

[...] Später im Krieg gewesen, wie jeder, der halt seine Pflicht getan hat und sich fast schon einen Kriegsverbrecher schimpfen lassen muß, nicht wahr, ich hab in Lublin gedient und später in der Ukraine [...]

Am Schreibtisch, S. 72

[...] Es müssen wundervolle Abende gewesen sein, male ich mir manchmal aus, Abende im Advent, die Führersehnsucht der Klagenfurter ist gestillt, der Kriegswinter wieder ins Land gezogen, der Gaupropagandaleiter hat begeistert Beifall gespendet; nach der Vorstellung, male ich mir aus, ist man ins Tanzcafé Lerch gegangen, in ein zu jeder Zeit hoch angesehenes, florierendes Etablissement, der Cafétier Lerch, male ich mir aus, hat vielleicht gerade Heimaturlaub gehabt und von seinen Aufgaben in Lublin erzählt und von seinem unmittelbaren Vorgesetzten Globotschnigg, seinem lieben Freund Globus [...]

Am Schreibtisch, S. 119

[...] Dieser Schreibtisch wiederum, ein besonders schönes Stück, gehört einem gewissen Lerch in Lublin, er vertritt allerdings im Augenblick seinen Kommandanten, der sich irgendwo außerhalb über den Baufortschritt eines Verbrennungsofens informiert [...]

Hotel Mordschein, S. 184

[...] Erneut klopfte es an die Tür, diesmal energischer, wieder rief der späte Gast, Globocnik, aufmachen! Nun war der Müller einst, als er noch auf Wanderschaft gewesen war, in einer Spelunke auf einen Räuber namens Globotschnigg, auch Globus geheißen, gestoßen, der sich erboten hatte, bei seinem, des Müllers erstem Sohn den Gevatter zu machen, unter der Bedingung, daß ihn der Sohn später als Gehilfe und Reisekamerad nach Lublin und ins adriatische Küstenland begleiten solle [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 304

[...] nicht, das kann nicht sein, im Schulhof wird ja lange schon kein Eishockey mehr gespielt, auch Strong selbst spielt ja im Eispalast an der Tiroler Straße, nein – er liegt wohl im Bett vielleicht, in meiner Kindheitswohnung, Kernstockstraße 9, erster Stock rechts, aber im Bett seiner Gefährtin, auf – Augenblick, was ist nun? Ah, sehen Sie nur, die Klagenfurter Athletiker haben ihre stärkste Formation aufs Eis gebracht, in der Abwehr die sogenannte Oder-Neiße-Linie, Tieffental und Von Mohrenschild, und im Angriff der gefürchtete sogenannte Lubliner Sturm, Lerch Globocnik Pohl, Sie müssen wissen, alle fünf haben früher in Lublin gespielt, und später im adriatischen Küstenland, ein kurzes Gastspiel, die polnische Liga hat damals als die härteste der Welt gegolten, Lublin hat immer an zweiter Stelle, hinter Auschwitz, rangiert, auch im Dreß der Klagenfurter hat dieser Block die Innsbrucker vom Eis geschossen, die Lustenauer hingerichtet, die Feldkircher vernichtet [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 306

[...] Wen wird Gauleiter Rainer jetzt – nein, warten Sie, Demetz, Peter Demetz heißt der neue starke Mann auf der Klagenfurter Betreuerbank, er soll früher in Nordamerika in der Collegemannschaft eines Bestattungsinstitutes tätig gewesen sein, wen also wird er einsetzen, das wäre interessant zu erfahren, er kann ja nicht unentwegt mit dem Lubliner Block operieren, freilich, er könnte noch andere polnische Legionäre aufbieten, passable Schützen, Kopeinig Alois, Susitti Albert [...]


Zitiervorschlag:
Lublin. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.195, 2019-02.