»ein Rotzbub«

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Kommentar

profil -Chefredakteur Helmut Voskabeginnt 1985 ein Interview mit Jörg Haider, das sich zentral der Haltung Haiders zum Nationalsozialismus widmet, mit folgender Frage: „Sitz’ ich noch jenem Jörg Haider gegenüber, der mir vor Jahren erklärte, ein ehemaliger SS-Mann hätte nichts an der Spitze einer demokratischen Partei zu suchen, einem Haider, den Bruno Kreisky einen ,echten Liberalen‘ nannte, oder sitzt mir die Reinkarnation eines HJ-Rotzbuben des Jahres 1938 gegenüber?“ (Voska 1985, 18)

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 31

[...] und Nutznießer einer gewaltigen Abschenkung eines Wahlonkels? Ein geborener Wahlsieger, wie staunend gesagt wird, und doch nur ein Aufsatzwettbewerbsgewinner bei einem Bundesturnfest, der in seiner damaligen Siegerund Rednerpultpose erstarrt und in seiner Entwicklung, sogar in der Ausbildung seiner Gesichtszüge, seither stehengeblieben ist und wie besessen versucht, den Augenblick jenes Jahrzehnte zurückliegenden Triumphes mit anderen Mitteln, bei anderen Anlässen, zu wiederholen; ein Rotzbub, der Pfeife raucht über seinem Trachtenanzug, und dem ein paar Backpfeifen wohl zu Gesicht stünden? Sei’s drum, weiter, kein Haider, welchen Vornamens immer, wird mich abhalten [...]


Zitiervorschlag:
„ein Rotzbub“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.171, 2019-02.