»Plattnerhof«

TEI version< zurück

Kommentar

s. Eintrag ›Plattnerhof‹


„Bad Plattnerhof, 1200 m, am Iselsberg bei Lienz mit den Dolomiten“: Ansichtskarte, 1930er Jahre
Foto: Wolfgang Straub

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 14

[...] Was kümmern ihn die Geschehnisse jener Nacht, als der Plattnerhof – die feine Pension, die feine! – dem roten Hahn zum Opfer fiel und bis auf die Grundmauern eingeäschert wurde, ein einzigartiges Schadensfeuer, finstere Ereignisse, die die Nacht weithin erhellten? Ich kenne selbst die Hintergründe nur aus Andeutungen meines Vaters, er hat mich zum Schweigen verpflichtet, das Herz muß schweigen, so mein Vater [...]

Hotel Mordschein, S. 185

[...] – Wir werden den Zimmerofen tüchtig überheizen, damit es nicht nach Brandlegung aussieht, sprach er zur Frau, aber wir müssen geschickter zu Werke gehen als der Plattnerhofbauer [...]

Hotel Mordschein, S. 191

[...] Doch da! Setzte ich nun endlich an, meinen später vielgerühmten Briefroman Die Metamorphosen des Plattnerhof [...]

Hotel Mordschein, S. 192

[...] – Das Geheimnis der hundert Türen? Verworfen, vielmehr ihn – ein Blitz in der Umnachtung – die Metamorphosen des Plattnerhofes zu nennen, Die Metamorphosen des Plattnerhofes, ja, jawohl [...]

Hotel Mordschein, S. 193

[...] Einige Seiten später wird es sich herausgestellt haben, dachte ich, während ich das Fernglas ansetzte, um mich wieder in meine Arbeit an den ersten Kapiteln – Tage, vielleicht Wochen mußte ich inzwischen am Schreibtisch verbracht haben – einzublenden, in die Geschichte des Plattnerhofes im Höhenluftkurort Iselsberg an der Glocknerstraße, einer ländlichnoblen Sommerfrische, einer in Schwierigkeiten geratenen Pension im Besitz der Erbengemeinschaft Geschwister Mayr, verwaltet von Anna Mayr, Hotel Pension Bad Plattnerhof, vierzehn Zimmer, achtundzwanzig Betten; Dependancen; Eisenquelle; eigene Landwirtschaft; hundert Türen [...]

Hotel Mordschein, S. 194

[...] ) Was nun meinen erwogenen Kuraufenthalt in Ihrer Pension anlangt: Mein Kopf hat, glaube ich, den Norden lieber, meine Lunge den Süden, und der Plattnerhof liegt wohl an der Grenze, böte also von beidem etwas, oder von beidem nichts [...]

Hotel Mordschein, S. 195

[...] – Geehrtes Fräulein Mayr, habe erfahren, daß Sie heuer den Plattnerhof haben, so frage ich mich an, was Sie für Zimmer mit Pension, ob Sie überhaupt Pension geben? Ich würde Anfang Juli kommen, meine Freundin kommt dann Ende Juli, bleibt mit mir bis Anfang September, bitte wir wollen dann beide unbedingt das Zimmer mit Balkon – Bodenzimmer – mit zwei Betten, das ich schon vergangenes Jahr hatte [...]

Hotel Mordschein, S. 225

[...] In den fünfziger Jahren sind Filmleute ins Dorf gekommen, ins Dorf an der Glocknerstraße, zum Plattnerhof [...]

Hotel Mordschein, S. 226

[...] Alles aus Holz, bis auf die Grundmauern alles aus Holz! Der Bruder sei über das Feld gelaufen gekommen und habe gerufen, nein, der Gruber sei zum Putzenbacher gelaufen gekommen und habe in die Stube hineingerufen – Plattnerhofe – brennt, der Bruder sei über das Feld gegangen und habe es zum Fenster hinaus brennen gesehen, so, ein Sonntagabend im Oktober, der letzte Oktobersonntag sei es gewesen, die Tage zuvor sei Schnee gefallen, an jenem Tag habe die Feuerwehr eine Übung abgehalten, nein, Landkirtag sei gewesen, beides, Feuerwehrübung und Feuerwehrfest, er sei beim Putzenbacher „melden“ gewesen, als der Gruber zur Tür hineingerufen habe: Plattnerhofe brennt [...]

Hotel Mordschein, S. 227

[...] Der Regisseur hat sich von der in hohem Alter stehenden, gleichwohl immer noch rüstigen, einstigen Verwalterin des Plattnerhofes, die – Ich unterbrach den Satz, eines Versäumnisses wegen, das mir plötzlich bewußt geworden war; fast hätte ich vergessen, Feuer zu machen, den Zimmerofen anzuheizen – war es nicht empfindlich kalt, hatte es nicht schon geschneit? –, tüchtig einzuheizen und den Diwan möglichst nahe an den Ofen zu schieben [...]

Hotel Mordschein, S. 231

[...] das Tennengebirge überquert und sich in die Steiermark durchgeschlagen haben wird, oder nein, er wird die Salzach durchschwommen haben und sich in Bayern der österreichischen Legion andienen, und 1938 zurückkehren, um – einem Nazi ist alles zuzutrauen – den Plattnerhof ein zweites Mal anzustecken, der allerdings wird nicht wieder aufgebaut worden sein – dumm wäre ich gewesen, zehntausend verloren, aber fünfzigtausend gewonnen! Es war Oktober, und das Freudenfeuer schwelte [...]

Hotel Mordschein, S. 232

[...] Dann, eines Nachts, Plattnerhof, Innen, Nacht, Zimmerofen fertig, Diwan herangeschoben, Petroleumlampen, Benzinkanister bereit, Knistern und Prasseln, Rauch, Laufen und Türenschlagen, Rufen: Feuer, Feurio [...]

Hotel Mordschein, S. 233

[...] – In der Nacht auf gestern wurde im Zuge von Dreharbeiten zu einem Heimatfilm an der Brandstatt des einstigen Plattnerhofes ein Großfeuer inszeniert, welches „das Herrenhaus von Borgland in Schutt und Asche legte“ [...]


Zitiervorschlag:
„Plattnerhof“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.mordschein.811, 2019-02.