»Die Sonne wird sich verfinstern […] und ein Posaunenschall wird sein von einem Ende des Himmels zum anderen.«

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Kommentar

Abgewandeltes Zitat aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 24,29–31), Das Kommen des Menschensohn: „Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren [...]. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern.“

Textausschnitte

Hotel Mordschein, S. 215

[...] Aus dem Freiburger Exil nach Wien zurückgekehrt – nein, Augenblick, ach du liebes bißchen, nun hätte sie das Beste, das merkwürdigste Erlebnis beinahe zu berichten vergessen!, eines Abends nämlich, die Familie sei, da es in Freiburg auch nicht mehr sicher gewesen wäre, nach Todtnauberg weitergezogen, eines Abends also habe der Philosoph, er mochte schon etwas betrunken gewesen sein, den schlafenden Jüngling lange, schweigend und tief angesehen, plötzlich die Augen zum Himmel, also zu den Holzbohlen der Zimmerdecke, erhoben und die Worte gesprochen, die sie sich damals aufgeschrieben habe auf diesem Papier hier, ein so großer Augenblick sei es gewesen, sie lese vor: Die Sonne wird sich verfinstern, der Mond nicht mehr scheinen, die Völker der Erde werden jammern und klagen vor Sehnsucht nach Phantasie, und sie werden ihn kommen sehen auf den Wolken des Himmels [...]


Zitiervorschlag:
„Die Sonne wird sich verfinstern […] und ein Posaunenschall wird sein von einem Ende des Himmels zum anderen.“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.mordschein.727, 2019-02.