Todtnauberg

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Kommentar

Im Dorf Todtnauberg, im Südschwarzwald gelegen, schrieb Martin Heidegger in einer 1922 bezogenen Hütte zahlreiche seiner Werke.


Martin Heideggers Hütte bei Todtnauberg, 2007
Foto: Wikimedia-User Muesse, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Heideggerrundweg0009.jpg, CC BY 3.0

Textausschnitte

Hotel Mordschein, S. 215

[...] Aus dem Freiburger Exil nach Wien zurückgekehrt – nein, Augenblick, ach du liebes bißchen, nun hätte sie das Beste, das merkwürdigste Erlebnis beinahe zu berichten vergessen!, eines Abends nämlich, die Familie sei, da es in Freiburg auch nicht mehr sicher gewesen wäre, nach Todtnauberg weitergezogen, eines Abends also habe der Philosoph, er mochte schon etwas betrunken gewesen sein, den schlafenden Jüngling lange, schweigend und tief angesehen, plötzlich die Augen zum Himmel, also zu den Holzbohlen der Zimmerdecke, erhoben und die Worte gesprochen, die sie sich damals aufgeschrieben habe auf diesem Papier hier, ein so großer Augenblick sei es gewesen, sie lese vor: Die Sonne wird sich verfinstern, der Mond nicht mehr scheinen, die Völker der Erde werden jammern und klagen vor Sehnsucht nach Phantasie, und sie werden ihn kommen sehen auf den Wolken des Himmels [...]


Zitiervorschlag:
Todtnauberg. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.mordschein.725, 2019-02.