Grabbe

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Kommentar

Christian Dietrich Grabbe (1801–1836), Dramatiker des Vormärz

Textausschnitte

Hotel Mordschein, S. 188

[...] Eines Abends, mein Zimmer im Literaturhaus lag im Dunkel, ohne daß ich wußte, ob ich ausgegangen war oder mich schon zur Ruhe begeben hatte, eines Abends sah ich mich plötzlich – konnte ich meinen Augen auch trauen? – mit Lenz, Schenk und Grabbe die Wirtschaft im Literaturhaus betreten und sogleich mit dem Kellner in Streit geraten; ah, ich konnte alles genau verfolgen: wie der Kellner zum Eingang zeigte und energisch den Kopf schüttelte – er schien uns die Tür weisen zu wollen –, wie wir erbost nach oben zeigten, wie ein plötzlich aufgetauchter Theaterdirektor Klingemann sich für uns verwenden wollte, und wie der Kellner verächtlich, sein Nichtbeeindrucktsein unterstreichend, das Gesicht verzog [...]

Hotel Mordschein, S. 189

[...] Wir haben lange auf euch gewartet, sehr lange, Charlotte auf Lenz und Christiane auf Schenk, Friederike auf Grabbe und ich auf dich, Geliebter [...]

Hotel Mordschein, S. 234

[...] Dies hingeschrieben, die Einsicht eines anderen – keinem bleibt seine Gestalt – im Kopf, sah ich mich wieder über den Hinterhof gehen, mich am Literaturmagazin vorbei in die Literaturgeschichte begeben, zu den Urnengräbern, Ausgrabungen, in meine Urnenfelder, um passende Inschriften, Grabbeigaben, vielleicht gar eine vergrabene Flaschenpost – was immer der moderne historische Romancier, der Defregger der Literatur, eben benötigt, um später vortragend Säulenhallen oder Stadien zu füllen – zu finden; wie sehr hoffte ich doch, daß mir der große Wurf gelingen möchte! Die Aussicht darauf ließ mich vergnügt, ja laut singend – „Heißer Sand, und ein verlorenes Land [...]


Zitiervorschlag:
Grabbe. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.mordschein.507, 2019-02.