Schenk

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Kommentar

Eduard von Schenk (1788–1841), bayrischer Dichter

Textausschnitte

Hotel Mordschein, S. 162

[...] Nur Mut, Freund, Wissen ist kein Verbrechen! Aber darüber, daß eines Tages auf dem Marktplatz von Ostromdscha, vor dem Dorfältesten, eine Gerichtsverhandlung gegen Abwesende stattgefunden hat, gegen einen Löhr, einen Phleps, einen Doktor Morgentodt, und andere, weil diese einem gewissen Mübarek, der bald als Bettler, bald als Heiliger aufgetreten ist, alle Knochen gebrochen und seine Hütte im Wald, nahe der Schlucht, in Brand gesteckt, ferner einen Kawassen überfallen und ihn, bei lebendigem Leib, wie ein Spanferkel über einem Lagerfeuer, gebraten hätten, unter Gejohle und ständigem Begießen mit Bier, darüber haben Sie doch Bescheid gewußt? Ein großgewachsener Nemdsche (Deutscher) mit einem gewaltigen Pfrnjak (Nase) soll dabeigestanden sein, einen Feindlagebericht in der Hand, darauf brennend, seinem vor Lachen sich auf die Schenkel klopfenden Chef daraus vortragen zu dürfen? Eine schwerwiegende Anschuldigung, mein Herr [...]

Hotel Mordschein, S. 167

[...] Schnell noch das Auto eines Arztes, eines gewissen Doktor Pontasch, aufgebrochen, und dessen Arzttasche an mich genommen, zur späteren Visitation! In eine Schenk [...]

Hotel Mordschein, S. 168

[...] Zum Zeitpunkt, als ich mit Retzer und Kowalczyk die Schenken in Pörtschach durchkämmt haben soll, muß eine herannahende Gewitterfront etwa über der Schweiz Station gemacht haben [...]

Hotel Mordschein, S. 188

[...] Eines Abends, mein Zimmer im Literaturhaus lag im Dunkel, ohne daß ich wußte, ob ich ausgegangen war oder mich schon zur Ruhe begeben hatte, eines Abends sah ich mich plötzlich – konnte ich meinen Augen auch trauen? – mit Lenz, Schenk und Grabbe die Wirtschaft im Literaturhaus betreten und sogleich mit dem Kellner in Streit geraten; ah, ich konnte alles genau verfolgen: wie der Kellner zum Eingang zeigte und energisch den Kopf schüttelte – er schien uns die Tür weisen zu wollen –, wie wir erbost nach oben zeigten, wie ein plötzlich aufgetauchter Theaterdirektor Klingemann sich für uns verwenden wollte, und wie der Kellner verächtlich, sein Nichtbeeindrucktsein unterstreichend, das Gesicht verzog [...]

Hotel Mordschein, S. 189

[...] Wir haben lange auf euch gewartet, sehr lange, Charlotte auf Lenz und Christiane auf Schenk, Friederike auf Grabbe und ich auf dich, Geliebter [...]

Hotel Mordschein, S. 217

[...] Hätten andere Kinder seines Alters Fröschen die Schenkel ausgerissen, Maikäfer gequält, Fußball gespielt oder Heftchen gelesen, habe er sich seine Lieblingsspiele aus der Heiligen Schrift herausgesucht [...]

Hotel Mordschein, S. 243

[...] Ob ich – nicht ich, der andere, ich als der andere – einen Mann im Ruderleibchen im Fenster gegenüber beobachtete (würde dieser Tropf, so fragte ich mich, sich je fragen, wofür er träumte? Nie im Leben!, wozu auch, es gab ja mich, ich war ja für die Erlösung zuständig, dachte ich bekümmert, diese Menschen! Stehen einfach im Ruderleibchen im Fenster und lassen sich von einem anderen erlösen, anstatt sich nur einmal zu fragen: Was ist es, wofür ein anderer seine Akne auf sich nimmt, seine Pusteln ausdrückt und sein Wasser abschlägt für mich?), ob ich also – also nicht ich, der andere – einen Mann am Fenster beobachtete oder eine Frau mit offenen Schenkeln vor mir lag, beschäftigte mich in meinem Innersten nur die eine Frage, tosend wie die Abwässer der Wiener Kanalisation; was ist es, wofür ich wirke, werke, singe, zupfe, blase, flöte, streiche, austrete, einwecke und Klaviere stimme – da!, wieder gestürzt, verführt vom eigenen Unernst oder einem Fiebertraum erlegen, es muß natürlich heißen: wofür ich träume [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 317

[...] Und jetzt, eine Werbedurchsage, Schenken auch Sie das beliebte Würfelspiel DER LACHENDE DIKTATOR, haben Sie gehört? Ich weiß, höre ich ihn sagen, Sie werden mein fortwährendes hören Sie und hören Sie nur und haben Sie gehört schon nicht mehr hören können, aber wie sonst soll ich Sie aufmerksam machen? Sie hören ja offenbar nicht, was ich höre, nicht so gut zumindest, nicht so früh, nicht so deutlich [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 345

[...] ! Da, jetzt hat sie gar seinen Kopf zwischen ihre Schenkel geklemmt; die Hände in seine Haare gekrallt, dirigiert sie ihn, den Kopf, den roten [...]


Zitiervorschlag:
Schenk. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.mordschein.505, 2019-02.