»Johann-Friedrich-Perkonig-Gesellschaft«

TEI version< zurück

Kommentar

Josef Friedrich Perkonig (1890–1959), Schriftsteller und Lehrer, „der Dichter Kärntens“ (Aufschrift auf dem Grabstein am Klagenfurter Friedhof Annabichl), bereits im Austrofaschismus hoch dekoriert (Staatspreis 1935), NS-Sympathisant, Obmann der Kärntner Landesstelle der Schriftsteller der Reichsschrifttumskammer. In seinen Texten thematisierte er das einfache bäuerliche Leben sowie seine Liebe zur Kärntner Heimat. Er war Lehrer u.a. von Ingeborg Bachmann und von Landeshauptmann Leopold Wagner.


Geburtshaus von Josef Friedrich Perkonig in Ferlach, 2006
Foto: Johann Jaritz, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ferlach_Geburtshaus_Perkonig_14092006_01.jpg, CC-BY 3.0


Josef Friedrich Perkonigs Grab am Annabichler Friedhof in Klagenfurt
Foto: Johann Jaritz, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Annabichl_Perkonig_Grab_01.jpg, CC-BY 3.0

Textausschnitte

Der Hirt auf dem Felsen, S. 296

[...] Aber den Lavantgedichteaufsager, den Mittelschulprofessor Strutz, ihn gibt es wirklich, er ist sogar Direktor des von ihm begründeten Musil-Archivs in Klagenfurt – Musil konnte sich seinen Geburtsort ja nicht aussuchen, sonst wäre er in Villach zur Welt gekommen –, wenngleich er sich naturgemäß zum Direktor des Herbert-Strutz-Archivs – des alten Strutz, Gnade der Heimat, jenes Strutz – oder zum Portier der Johann-Friedrich-Perkonig-Gesellschaft besser eignete, so die neben mir, gehend, vielleicht auch spricht sie in Gedanken zu einer neben ihr, oder ich höre in Gedanken eine neben mir, nein, da ist sie schon wieder, sie redet wie ein Buch, wissen Sie, Christine, ich nenne Sie der Einfachheit halber so wie die andere, wissen Sie Christine, sagte ich an einem der heißen Lavanttaler Sommertage zu ihr, der Führer hätte getobt, hätte ich ihm Ihre Gedichte gezeigt, der Führer ist sehr verwöhnt von meinen eigenen Gedichten, nein, falsch, in jenem heißen Lavanttaler Sommer kannten wir einander noch gar nicht, Sie verzeihen, Christine, ich hatte damals andere Dinge im Kopf, emotionale Erfahrung erfüllte mich, der Führer, der Führer, Sie verstehen, der Reichsparteitag, der Schulverein Südmark, das Breslauer Turnfest, die Gautheater Saarpfalz-Eröffnung, das nationalsozialistische Kraftfahr-Korps und die Reichsbräuteschule, verstehen Sie, der bayrische Hilfszug, der Blumenkohleintopf, die gefüllten Kohlrabi ohne Fleisch, die Nähund Strickarbeit, die weißen Kniestrümpfe, ich wußte nicht aus noch ein vor Arbeit [...]


Zitiervorschlag:
„Johann-Friedrich-Perkonig-Gesellschaft“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.mordschein.327, 2019-02.