Doubling

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Kommentar

Der Begriff „Doubling“ stammt von Robert Jay Lifton (* 1926), einem US-amerikanischen Psychiater. In The Nazi Doctors (1986) beschreibt er die mentalen Strategien von Überlebenden und Tätern. Eine seiner Vermutungen war, dass etwa die NS-Ärzte aus Selbstschutz ihr Ich verdoppelten „in das mörderische Auschwitz-Ich und das ,gute‘ Ich, das den tüchtigen Arzt, liebevollen Vater und verläßlichen Kameraden [...] stabilisiert.“ (Halter 1988)

Textausschnitte

Hotel Mordschein, S. 163

[...] hingewiesen hätte? Daß der Oberst schwerhörig, der Gruppenführer homosexuell, oder umgekehrt, Phleps schwerhörig, Löhr abartig, beide tierlieb und um ihre Familien rührend besorgt gewesen, beide auch als Menschen, von ihren Schwächen her zu verstehen gewesen wären, wenn ich es so versuchte – Das wäre mir recht, nur heraus mit den alten Klamotten, mit dem Doubling, wie wir Fachleute sagen, dem Doppel-Ich! Dann entspräche es doch den Tatsachen, mein Herr, würde ich zum entscheidenden Schlag ausholen, daß Löhr sich wiederholt unsittlich an Ihnen verging, Ihre Beziehung zu Elisabeth, der seltsamen Frau, nur vorgetäuscht war? Ich verfüge übrigens über Photographien – soll ich sie hervorziehen? –, einzigartige Zeitund Bilddokumente eines Kriegsberichterstatters und Enthüllungsphotographen namens Deighs, oder Deix, eines Meisters seines Faches, sollen wir das Belastungsmaterial einmal durchgehen? Ich gebe mich geschlagen; Satz und Spiel an Sie, Herr Schriftführer [...]


Zitiervorschlag:
Doubling. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.mordschein.283, 2019-02.