Löhr

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Kommentar

Alexander Löhr (1885–1947), österreichischer Offizier in der k.u.k. Armee, im Bundesheer der Ersten Republik und in der Luftwaffe der Wehrmacht. Unter seinem Oberbefehl wurden durch die Bombardierung Belgrads ((1941): ) ohne Kriegserklärung und dann auf dem Balkan Kriegsverbrechen verübt, für die er nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Belgrad hingerichtet wurde. 1943 und vom 25. März 1945 bis zur deutschen Kapitulation war er „Oberbefehlshaber Südost“. Waldheim diente als Ordonnanzoffizier unter Löhr in Saloniki, als dort an die 40 000 Juden nach Auschwitz und Treblinka deportiert wurden, und war danach unter Löhr in Jugoslawien stationiert, „als dort Massaker an Partisanen verübt, ganze Dörfer eingeäschert und ganze Bevölkerungsteile niedergemacht wurden“ (Strothmann 1986). s. Eintrag ›Waldheim, er ist gerade nicht da‹eer

Textausschnitte

Hotel Mordschein, S. 158

[...] – Im Sudan nannte er sich Löhr, manchmal auch Phleps [...]

Hotel Mordschein, S. 160

[...] Ach was, ein Generaloberst vielleicht, ein Generaloberst Löhr etwa? (Jetzt habe ich mich in die Enge getrieben [...]

Hotel Mordschein, S. 161

[...] Löhr, und? Es hätte ja auch ein – Hauptmann Struckel sein können [...]

Hotel Mordschein, S. 162

[...] Nur Mut, Freund, Wissen ist kein Verbrechen! Aber darüber, daß eines Tages auf dem Marktplatz von Ostromdscha, vor dem Dorfältesten, eine Gerichtsverhandlung gegen Abwesende stattgefunden hat, gegen einen Löhr, einen Phleps, einen Doktor Morgentodt, und andere, weil diese einem gewissen Mübarek, der bald als Bettler, bald als Heiliger aufgetreten ist, alle Knochen gebrochen und seine Hütte im Wald, nahe der Schlucht, in Brand gesteckt, ferner einen Kawassen überfallen und ihn, bei lebendigem Leib, wie ein Spanferkel über einem Lagerfeuer, gebraten hätten, unter Gejohle und ständigem Begießen mit Bier, darüber haben Sie doch Bescheid gewußt? Ein großgewachsener Nemdsche (Deutscher) mit einem gewaltigen Pfrnjak (Nase) soll dabeigestanden sein, einen Feindlagebericht in der Hand, darauf brennend, seinem vor Lachen sich auf die Schenkel klopfenden Chef daraus vortragen zu dürfen? Eine schwerwiegende Anschuldigung, mein Herr [...]

Hotel Mordschein, S. 163

[...] hingewiesen hätte? Daß der Oberst schwerhörig, der Gruppenführer homosexuell, oder umgekehrt, Phleps schwerhörig, Löhr abartig, beide tierlieb und um ihre Familien rührend besorgt gewesen, beide auch als Menschen, von ihren Schwächen her zu verstehen gewesen wären, wenn ich es so versuchte – Das wäre mir recht, nur heraus mit den alten Klamotten, mit dem Doubling, wie wir Fachleute sagen, dem Doppel-Ich! Dann entspräche es doch den Tatsachen, mein Herr, würde ich zum entscheidenden Schlag ausholen, daß Löhr sich wiederholt unsittlich an Ihnen verging, Ihre Beziehung zu Elisabeth, der seltsamen Frau, nur vorgetäuscht war? Ich verfüge übrigens über Photographien – soll ich sie hervorziehen? –, einzigartige Zeitund Bilddokumente eines Kriegsberichterstatters und Enthüllungsphotographen namens Deighs, oder Deix, eines Meisters seines Faches, sollen wir das Belastungsmaterial einmal durchgehen? Ich gebe mich geschlagen; Satz und Spiel an Sie, Herr Schriftführer [...]

Hotel Mordschein, S. 223

[...] Verzweifelt probierte er allerlei Antworten, keine wollte den Fremden zufriedenstellen, weder Ich bin es, Vetter Bormann noch Ich bin es, Meister Todt, Ich bin es, den sie den Polen nennen oder Ich bin es, der Schmelzkäse, nicht Ich, Gevatter Dirlewanger, nicht Ich, der liebe Wolf, nicht Löhr, Marcinkus, Waldmeister, nicht Mengele oder Waclawik, kein Name, kein Ich – ob Pater Bodo, Frater Kaser, ob Judenburger, Judenbucher – konnte dem Bedauernswerten helfen [...]


Zitiervorschlag:
Löhr. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.mordschein.213, 2019-02.