»das Kunstwerk ist die Totenmaske des Deliktes«

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Kommentar

„Das Werk ist die Totenmaske der Konzeption“ lautet These XIII in Walter Benjamins Die Technik des Schriftstellers in dreizehn Thesen . (Benjamin 1972, 107)

Textausschnitte

Hotel Mordschein, S. 152

[...] Das muß der andere sein, nicht ich, der andere, der sich in meinem Kopf versteckt hält, der Horcher im Taubenschlag, der mich entwerfen und dadurch vernichten will, das Kunstwerk ist die Totenmaske des Deliktes, habe ich ihn murmeln und auflachen gehört, er ist von der Idee besessen, daß durch den zweiten Satz des Schubert-Quartetts einer geht, der Tod möglicherweise, im Andante herumgeht, und pfeift, und – da, wieder eine Stimme, ist er das, fragt sie, und auf der Straße sind Schritte zu hören, nicht hier auf der Straße, im Kopf auf der Straße, einer pfeift eine Melodie aus dem Andante, und eine Stimme fragt fortwährend: Ist er das? (Ist er das, ist er das! Nein, das ist er nicht! Oder mag er es sein, er sei, wer er sei, der Langerwartete, meinetwegen; wie der andere solche Übergänge, Durchbrüche, Zusammenhänge herstellt, ist mir unverständlich) [...]


Zitiervorschlag:
„das Kunstwerk ist die Totenmaske des Deliktes“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.mordschein.159, 2019-02.