»Hotel Abgrund«

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Kommentar

Die Formulierung „Grand Hotel Abgrund“ prägte Georg Lukács in seiner gleichnamigen Abhandlung (1933, zu Lebzeiten unveröffentlicht). Lukács kritisiert darin, dass die bürgerlichen Intellektuellen in ihren Analysen stets von der Ideologie ausgingen und in ihr stecken blieben, statt das gesellschaftliche Sein in seinen Klassenwidersprüchen zu erkennen; dies brächte eine „Literatur von den Ideologen für die Ideologen“ (Lukács 1984, 184) ohne praktisch-politische Konsequenzen hervor. Auf dem Weg von der Loslösung von der Bourgeoisie bis zum Anlangen beim Proletariat gebe es „viele Wendungen des Weges, viele Zwischenstationen. Und diese Zwischenstationen sind so eingerichtet, daß sie einen Teil der Intelligenz– im Zustand der chronischen Verzweiflung, am Rande des Abgrunds – festhalten, zum Stillstand bringen, daß ein Teil der Intelligenz sich hier – im Zustand der chronischen Verzweiflung, am Rande des Abgrunds – häuslich niederläßt und nicht gewillt ist, weiterzugehen.“ (Lukács 1984, 183). „Zu diesem Zweck ist das Grand Hotel Abgrund geschaffen: es bietet Raum für Opposition, die nicht nur geduldet, sondern zwecks Energieableitung geradezu – allerdings nur in dem kontrollierbaren Etablissement – erwünscht ist.“ (Benseler 1984, 171)

Textausschnitte

Hotel Mordschein, S. 147

[...] Aber hier, was sehe ich, ein Stück Papier mit einem handschriftlichen Vermerk: Hotel Eden, Hotel Abgrund [...]


Zitiervorschlag:
„Hotel Abgrund“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.mordschein.127, 2019-02.