»Bruder Eichmann«

TEI version< zurück

Kommentar

Bruder Eichmann : Theaterstück (1983 postum uraufgeführt) von Heinar Kipphardt (1922–1982), das Adolf Eichmann, den Chefkoordinator der Judendeportationen im „Dritten Reich“, als Mensch in den Mittelpunkt stellt (s. Eintrag ›Heinar Kipphardt‹).

Textausschnitte

Hotel Mordschein, S. 221

[...] Um die Zwerge zu erschrecken, trat der Bauer aus dem Gesträuch und rief: Donnerstag und Freitag noch! Den Zwergen aber gefiel das über alle Maßen, das wäre ein Reim, nach dem sie lange schon gesucht hätten! Und zum Dank dafür rieten sie dem Bauern, nur tiefer in den Wald hinein zu gehen, dort werde er auf einen Wanderer in einem grünen Wams treffen, der ihn zur Begrüßung fragen werde: Seid ihr es, Bruder Eichmann [...]

Hotel Mordschein, S. 222

[...] Da wurde dieser zornig und rief: Glaubt nur nicht, daß ich den Weg nicht wüßte, ihr dummen Wichtel; Pater Fleischmann – Bruder Eichmann, ihr seht, ich weiß alles! Sprach’s und ging den Weg, den ihm der Nachbar bezeichnet, weiter in den Wald hinein [...]

Hotel Mordschein, S. 223

[...] – Ich wiederhole, sagte der im grünen Rock nun drohend, seid Ihr es, Bruder Eichmann? – Nein, ich bin es, Pater Leppich, antwortete der Bauer und wußte wohl, daß er das Schlüsselwort vergessen hatte [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 351

[...] Und wirklich ist einer neben ihm, schweigsam, nein, nicht der Grüne, keiner mit einem Pferdefuß, Namen wie Bruder Eichmann, Vetter Waldheim, sie fallen nicht; nein, dem heruntergekommenen Äußeren nach ein Landsknecht, und beide blicken sie in den Fluß, ins Wildwasser unter ihnen – nicht schlecht, oder? –, keiner will vom anderen Notiz genommen haben, es wird doch noch einer zufällig des Weges gekommen sein können [...]


Zitiervorschlag:
„Bruder Eichmann“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.hirt.863, 2019-02.