Lavant

Textausschnitte

Der Hirt auf dem Felsen, S. 295

[...] Als Paula Grogger in Erscheinung trat, oder der Irrenarzt und Erbgesundheitspfleger Scrinzi, verständigten wir uns sogleich auf: Ettendorf; als der Lavantgedichteaufsager, der Lavantgedichteauswendigkönner seine Aufwartung machte, der Klagenfurter Mittelschul-, mehr noch: Handelsakademieprofessor Strutz, der junge Strutz, müssen Sie wissen, sagten wir, so sehr mich sein weinroter ärmelloser Pullover beeindruckte: Preitenegg, um uns später auf Eitweg zu korrigieren, höre ich, gehend, die neben mir, Schritt für Schritt bergan, auf der Suche nach dem Wachtelkönig, auf den Spuren des Keltischen in den Lavant-Gedichten, – als dieser Lavantgedichteaufsager und -auswendigkönner in die Dämmerung der Schamanenstube trat, eine Fliege über dem besagten weinroten Stück, sich tief, wie vor Publikum verbeugte und zu deklamieren beginnen wollte – nennen Sie mir ein Gedicht, ich sage es Ihnen auf –, wandte sich die Lavant ab und murmelte in eine Stubenecke: [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 296

[...] Und ich rief begeistert, ins Mondgesicht des verdutzten, am Aufsagen behinderten Lavantgedichteauswendigkönners, des jungen Strutz, hinein: Punkti Punkti Strichi Strichi fertig ist das Mondgesichti, und klatschte in die Hände – nein, Christine, ich darf Sie doch Christine nennen, ein kleiner Spaß nur, das tat ich natürlich nicht, ich weiß auch nicht mehr, ob ich diese Begebenheit wirklich erlebte oder ob jemand anderer mir einen Traum erzählt hatte [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 298

[...] Nun, im nächsten heißen Wolfsberger Sommer, als ich mich sehr mit Morris Berman beschäftigte, hatte ich meine Freundschaft mit Christine bereits befestigt, sie konnte sich ja nicht wehren, ich meine, warum hätte sie, wenngleich sie es manchmal versuchte, sich meiner Freundschaft entziehen sollen, da ich ihr nur Gutes tat, sie im Garten unseres Wolfsberger Herrenhauses empfing, zu den später von mir so genannten Lavant-Nachmittagen, sie auf ihrem Rückweg bis zum sogenannten Judenstein begleitete, einer Stelle im Fluß, die an die Vertreibung jüdischer Händler 1938, halt, was sage ich, 1339, so, erinnert [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 299

[...] Deshalb werde ich auch schreiben: Die aufsteigenden Wurzelenergien in den Lavant-Gedichten [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 347

[...] Die andere redet auf sie ein, sie nennt Ihre Frau fortwährend Christine, ich darf Sie doch Christine nennen, und erzählt von einer längst verstorbenen Dichterin Lavant, deren größte, einzige, einzigartige Freundin sie, die andere, zeitlebens gewesen wäre [...]


Zitiervorschlag:
Lavant. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.hirt.829, 2019-02.