Wolfsberg

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Kommentar

Stadtgemeinde im Kärntner Lavanttal, Bezirkshauptstadt. Christine Lavant stammte aus dem südlich benachbarten Ort St. Stefan, Ingeborg Teuffenbach aus Wolfsberg selbst.

Textausschnitte

Der Hirt auf dem Felsen, S. 257

[...] Immer vorsichtig mit solchen Dingen, wer sagt denn, daß Sie solche Ungezogenheiten Ihrem zu Tode gekommenen Gefährten nicht einfach in den Mund legen? Mein Vater ist selbst illegaler Nationalsozialist gewesen, seine weißen Kniestrümpfe, in denen er in der sogenannten Kampfzeit viel in Wolfsberg, Klagenfurt und in den Bergen unterwegs gewesen ist, hat er mir, in einer Kassette, unter Glas, als, so er, kostbarstes Vermächtnis hinterlassen – ich bräuchte nur auf dem Dachboden umzuräumen, um sie hervorzuholen –, und mein Vetter ist ein Freiheitlicher mit Leib und Seele, versuchen Sie doch einmal, seinen blauen Schal zu besudeln, etwa durch einen Witz, da könnten Sie etwas erleben! Natürlich ist der neue Landesverweser ein Zugewanderter, kein Hiesiger, fraglos ist er gewöhnlicher als das Gewöhnliche, gerade deshalb lassen wir über ihn nichts kommen [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 297

[...] Germanisch, verstehen Sie, damals noch germanisch, nicht keltisch, kein Naturprinzip damals, sondern Führerprinzip, keine Gedächtniskultur, sondern Runenschrift, Julfeierund Thingstättenkultur, keine Glockenbecherleute, sondern Kradmelder und Gauturnwarte, auch in Wolfsberg, auch in Windisch-Bleiberg, Windisch-Matrei, Nothung Nothung, damals germanisch, heute wieder keltisch, heute illyrisch, damals nordisch, auch im Süden, im sommerlich heißen Wolfsberg [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 298

[...] Nun, im nächsten heißen Wolfsberger Sommer, als ich mich sehr mit Morris Berman beschäftigte, hatte ich meine Freundschaft mit Christine bereits befestigt, sie konnte sich ja nicht wehren, ich meine, warum hätte sie, wenngleich sie es manchmal versuchte, sich meiner Freundschaft entziehen sollen, da ich ihr nur Gutes tat, sie im Garten unseres Wolfsberger Herrenhauses empfing, zu den später von mir so genannten Lavant-Nachmittagen, sie auf ihrem Rückweg bis zum sogenannten Judenstein begleitete, einer Stelle im Fluß, die an die Vertreibung jüdischer Händler 1938, halt, was sage ich, 1339, so, erinnert [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 338

[...] ßen inferior, daß das Stück nicht einmal von der Villacher Faschingsgilde zur Aufführung angenommen wurde, es wurde dann im Klagenfurter und im Wolfsberger Fasching aufgeführt, auch dort nur teilweise, nur die lustigsten Sachen, die Geheimpolizeiwitze, und zur Gänze nur in Wien, im Theater im Konzerthaus, wahrhaftig eine Schüleraufführung [...]


Zitiervorschlag:
Wolfsberg. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.hirt.463, 2019-02.