Christine

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Kommentar

Anspielung auf Christine Lavant (1915–1973, eigentl. Christine Tonhauser), blieb die überwiegende Zeit ihres von Krankheiten gezeichneten Lebens in St. Stefan im Lavanttal wohnhaft.


Christine Lavant
Foto: Robert-Musil-Institut für Literaturforschung/ Kärntner Literaturarchiv

Textausschnitte

Der Hirt auf dem Felsen, S. 295

[...] Was jetzt? – Sie müssen wissen, Christine, ich darf Sie doch Christine nennen, Sie müssen wissen, wir waren Zeit unseres Lebens auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden, Christine und ich, Christine und Ingeborg, höre ich die neben mir, die neben mir geht, plötzlich, eine unangenehme Person, – verbunden auf eine Weise, die störende Dritte stets ausschloß; selbst eine Geheimsprache hatten wir entwickelt, wir sagten: Ettendorf, wenn es uns gutging, und: Preitenegg, wenn es uns schlechtging, oder: Eitweg, wenn wir, in der Einschätzung unseres Zustandes oder unserer Umgebung unsicher, zögerten; trat ein Feind auf, raunten wir Preitenegg, kam ein Freund auf uns zu: Ettendorf, und waren jemandes Absichten noch nicht durchschaubar, verständigten wir uns: Eitweg [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 296

[...] Und ich rief begeistert, ins Mondgesicht des verdutzten, am Aufsagen behinderten Lavantgedichteauswendigkönners, des jungen Strutz, hinein: Punkti Punkti Strichi Strichi fertig ist das Mondgesichti, und klatschte in die Hände – nein, Christine, ich darf Sie doch Christine nennen, ein kleiner Spaß nur, das tat ich natürlich nicht, ich weiß auch nicht mehr, ob ich diese Begebenheit wirklich erlebte oder ob jemand anderer mir einen Traum erzählt hatte [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 297

[...] In jenen Tagen also, als ich mich mit Christine befreundete, nein, falsch, noch immer nicht, noch immer hatte ich keine Zeit gefunden, die Geburt des Propheten, vorher noch, nahm mich über alle Maßen in Anspruch, des Propheten Fritjof, des Zauberers, so Christine später, vom Namen Capra, Fritjof Capra, werden Sie gewiß gehört haben, WENDEZEIT, dieser Capra, ein Rauschen war in der Luft damals [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 298

[...] Ja, eine Marke, Christine, eine Seherin [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 299

[...] Christine, werde ich fortsetzen, war eine Lampe, die viel zu hoch brannte, und: Auch Blitzund Kristallerfahrungen sind in ihrem Werk zu finden [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 347

[...] Die andere redet auf sie ein, sie nennt Ihre Frau fortwährend Christine, ich darf Sie doch Christine nennen, und erzählt von einer längst verstorbenen Dichterin Lavant, deren größte, einzige, einzigartige Freundin sie, die andere, zeitlebens gewesen wäre [...]

Der Hirt auf dem Felsen, S. 348

[...] Südwind, ob sie, Christine, Ihre Frau, ob sie noch zuhöre [...]


Zitiervorschlag:
Christine. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.hirt.389, 2019-02.