»das kollektive Simulakrum des Todes«

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Kommentar

Zitat aus Jean Baudrillards Der symbolische Tausch und der Tod : „Das Leben ist eine Art von Verbrechen, wenn es nicht durch ein kollektives Simulakrum des Todes wieder genommen und gesühnt wird.“ (Baudrillard 2011, 237) Baudrillard bezieht sich damit auf eine in unserer Gegenwart unterdrückte „symbolische Ordnung“, in der das Leben so lange als Verbrechen bestehe, bis es dem Tod „zurückgegeben“ werde. (Baudrillard 2011, 237) In primitiven Gesellschaften – Baudrillard spricht von „Wilden“ – werde der Tod als „soziale Beziehung“ anerkannt und der Gegensatz von Leben und Tod rituell in einem gesellschaftlichen Tauschakt aufgelöst.

Textausschnitte

Der Hirt auf dem Felsen, S. 287

[...] Was haben Sie mit dem Rentnerautobus eigentlich im Sinn gehabt, einen kleinen Sabotageakt vielleicht, angewandte Sterbeforschung? Oder gar eine Art Katastrophensimulation, eine kollektive Sterbe-Simulation, das Leben als Art von Verbrechen, das nur durch das kollektive Simulakrum des Todes gesühnt werden kann, wie wir Postenkommandanten das nennen? Aber weiter im Protokoll: Unterhalb des Roten Turmes habe also Ihre Frau sich von Ihnen getrennt, um die Schlüsselstelle über ein Schneefeld – eigentlich ein kleiner, nahezu spaltenloser Gletscher – anzusteigen [...]


Zitiervorschlag:
„das kollektive Simulakrum des Todes“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.hirt.313, 2019-02.