»Du hast gut gelebt oder: Befreit von der Last des Lebens und vom Schrecken des Todes«

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Kommentar

Sibylle von Cles-Reden gibt ein „Protokoll“ aus dem Jahre 1830 an, das eine solche Tötung schildert. Ein gebrechlicher Greis habe in einem Dorf der Bretagne selbst den Mel Beniguet bestellt. Die Dorfälteste habe unter anderen die Worte „hier ist, was Dich vom Schrecken des Todes und der Last des Lebens befreien wird“ gesprochen, mit „gellender Stimme“ gerufen „Du hast gut gelebt!“ und dabei den Stein „ohne Gewalt“ gesenkt. (Cles-Reden 1960, 263)

Textausschnitte

Der Hirt auf dem Felsen, S. 279

[...] weihte Beil, den Er Mel Beniguet; sie tritt, atemlose Stille rundum, an das Bett des Probanden, des Todgeweihten, ruft: Du hast gut gelebt oder: Befreit von der Last des Lebens und vom Schrecken des Todes, ein leiser Trommelwirbel erklingt von irgendwo, sie hebt den Stein, nimmt einen Augenblick Maß und spaltet den Schädel des Glücklichen mit einem einzigen Hieb, und alle rufen, während die Priesterin, die Meisterin des Steinbeils, eine königliche Verbeugung andeutet: Bravo, bravo, und wieder: Bravo!, und klatschen in die Hände [...]


Zitiervorschlag:
„Du hast gut gelebt oder: Befreit von der Last des Lebens und vom Schrecken des Todes“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.hirt.259, 2019-02.