»Mundpflege oder Mundspülung«

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Kommentar

Die Krankenschwester Waltraud Wagner und drei Komplizinnen ermordeten auf der geriatrischen Station des Krankenhauses Lainz in Wien zwischen 1983 und 1989 mit Insulin- oder Morphiumspritzen oder Rohypnol sowie durch Ertränken eine größere Anzahl von Patienten, das Gericht hielt im Prozess 32 Morde für erwiesen. Im Laufe der medialen Berichterstattung etablierten sich Ausdrücke wie „Mordschwestern“ oder „Mundspülung“ und „Mundpflege“ für die Ertränkungsmethode.

Textausschnitte

Der Hirt auf dem Felsen, S. 267

[...] – Kennen Sie übrigens den Witz oder die Geschichte vom schlagenden Beweis, nein? Sie geht so: Reporter der Neuen Brunnenzeitung haben, in gewohnt dummer wie böswilliger Absicht, und um den Beweis zu führen, daß Mord und Prostitution, Mordverdacht und Geheimprostitution zusammengehören, zwei Krankenschwestern einer geriatrischen Abteilung verwechselt, eine Schwester Waltraud und eine Schwester Gertrude; jene hat, als, wie soll man sagen, ungebetene Sterbehilfe die sogenannte Mundpflege oder Mundspülung erprobt und für den Exitus das heiter-abendliche Bild ZUM PEPI GEHEN geprägt, was – das gehört nun nicht zum Witz, eine Hintergrundinformation gewissermaßen –, was der Neuen Brunnenzeitung und ihrer nicht nur, aber doch auch altersschwachsinnigen Klientel natürlich nicht paßt; obwohl ich ja, außer Dienst, den Verdacht hege, daß die Neue Brunnenzeitung die von ihr sogenannte Mordserie selbst in Auftrag gegeben hat [...]


Zitiervorschlag:
„Mundpflege oder Mundspülung“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.hirt.127, 2019-02.