Steinhof

Textausschnitte

Ida H., S. 119

[...] Steinhof, von außen Die Landesheilund Pflegeanstalt „Am Steinhof“, am westlichen Stadtrand, im 14 [...]

Ida H., S. 120

[...] Die Patienten des Steinhof haben kein Recht, in ihre eigene, wenn auch von anderen geschriebene und als Akt angelegte Krankengeschichte Einsicht zu nehmen: sie gehen sich selbst nichts an [...]

Ida H., S. 121

[...] Unzukömmlichkeiten, Mißstände – Steinhof ist ein Mißstand, Steinhof ist der Mißstand, der die Gesellschaft ist, die Steinhof beliefert [...]

Ida H., S. 126

[...] „Und die Irrenhäuser in der Sowjetunion?“ begann Fallenbigl, nach einer Pause, von neuem; „Und Steinhof?“, fragte Herbst zurück [...]

Ida H., S. 127

[...] Das Bild von Ida, das aus Informationsfragmenten, Vermutungen und Beobachtungen, aus Fremdwahrnehmungen entstanden und von Loidl und anderen verbreitet worden war, war das Bild einer Frau, die schizophren sei, zumindest wegen Schizophrenie im Steinhof gewesen sei und mit Elektroschocks behandelt worden sei, das Bild eines ehemaligen Mannequins, das phasenweise abgemagert und verwahrlost in der Innenstadt herumgehe oder durch die Wiener Subkultur irre, an die Türen der Wohngemeinschaften klopfe und immer irgendjemanden, hauptsächlich einen Künstler namens Loidl, oder irgendwas, Schlüssel zum Beispiel, suche; das Bild einer Frau, die sich über sich kaum oder nur ausweichend und zusammenhanglos äußere und vielleicht zehn oder zwanzig Jahre jünger aussehe, als sie wahrscheinlich alt sei, das Bild einer Frau in einem schäbigen, abgetragenen Regenmantel von Burberry’s [...]

Ida H., S. 133

[...] Aber Ida tauchte nicht mehr auf, weder an jenem Abend noch in den darauffolgenden Tagen und Wochen; das nächste Mal sollte sie erst ein halbes Jahr später erscheinen, als Patientin des Steinhof [...]

Ida H., S. 134

[...] über sie, über „die Komische“ habe man sich zwar die verschiedensten Geschichten erzählt, die Steinhof [...]

Ida H., S. 138

[...] – Aber das könne sie sich doch auch von ihr holen, schlug Milena vor; eben nicht, sagte Ida, sie sei doch schon fast ein halbes Jahr wieder am Steinhof! Milena versprach, ihr am nächsten Besuchstag selbst die gewünschten Sachen zu bringen [...]

Ida H., S. 144

[...] Meist hatte sie ein Buch oder irgendeine Beschäftigung vor sich liegen, irgendwelche Rätsel oder Streichhölzer und Streichholzschachteln; oft sah sie gedankenverloren vor sich hin, um dann plötzlich Sätze zu sagen wie: „Ich bin nur eine arme Steinhoferin“ oder „Ich möchte ganz Seele sein“ oder „Mein Vater hat eine rote Zipfelhaube, die setzt er immer auf, wenn er in den Keller geht onanieren [...]

Ida H., S. 146

[...] ) Für Ida war es schon gefährlich, ohne geeigneten Nachweis der Nämlichkeit auf die Straße zu gehen: eine routinemäßige Ausweiskontrolle der Polizei, wie sie immer und überall Vorkommen konnte, würde genügen, und sie würde sich, für die Polizisten zumindest, in gefährliche Widersprüche verwickeln – wie, ihre Dokumente seien am Steinhof [...]

Ida H., S. 148

[...] Nein, mit Steinhof habe sie nichts, aber schon gar nichts mehr zu tun – keine Gifte mehr, keine Ärzte, keine Schwestern, keine weißen oder gestreiften Kittel mehr [...]

Ida H., S. 149

[...] “ (Drei Nachmittage im Dezember: Herbst, nach und nach auf Idas sich wiederholende Geschichten aufmerksam geworden, hatte sie eines Tages gefragt, ob sie sich für ein Original-Ton-Hörspiel, zu Aufnahmen von Tonbandprotokollen zur Verfügung stellen würde; über „Mißstände“ am Steinhof wurde zwar hin und wieder geredet, darüber hinweggeredet letztlich, aber Beschreibungen der Anstalt von innen, veröffentlichte Berichte „von unten nach oben“, aus der Sicht der immer wieder Betroffenen, Behandelten und Gehandhabten, gab es kaum [...]

Ida H., S. 156

[...] Die kommt sicher vom Steinhof [...]

Ida H., S. 158

[...] Mit den Nerven sei sie so heruntergekommen, daß sie hinauf –, auf den Steinhof gekommen sei, einmal und noch einmal und immer wieder, immer wieder habe sie hinauf müssen, alles „wegnem Mann“ [...]

Ida H., S. 160

[...] der Tiefe seiner Depression, in der er „Kraft schöpft“, angelangt, halte er es nicht mehr aus und verlange, nach oben, auf den Steinhof gebracht zu werden [...]

Ida H., S. 168

[...] Model und Hampelmann, eine vorübergehende Beziehung In der Anstaltskirche, in der als Wiener Sehenswürdigkeit berühmten „Kirche der Landesheilund Pflegeanstalt“ habe sie, als sie schon Spazierengehen durfte, es einmal beinahe mit einem Burschen „getrieben“, hatte Ida erwähnt, „mit dem Vintila, auch ein alter Steinhofer, ein Fixer, aber ein netter Bursch“; ein komischer Name, Vintila, er sei nämlich Rumä- ne, aber in Wien zur Welt gekommen, seine Freunde sagten eigentlich „Burschi“ zu ihm, sein Spitzname, was er aber nicht leiden könne [...]

Ida H., S. 170

[...] zu oft Steinhof [...]

Ida H., S. 185

[...] ) Ein Hörspielredakteur hatte Herbst vorgeschlagen, eine Rohfassung des Originaltonhörspiels, vornehmlich Idas Steinhof- Protokolle, in einem gemeindeeigenen Jugendclub vorzuführen und dazu auch Psychiater „von oben“, vom Steinhof einzuladen, für eine anschließende Diskussion [...]

Ida H., S. 217

[...] Ein Steinhofakt, nur halb so dick wie der Idas, würde genügen, um einer „vorbelasteten“ Frau ihr Kind vorzuenthalten, auch dann, wenn sie wieder mündig sei [...]

Ida H., S. 257

[...] Die „Demokratische Psychiatrie“ eine seit kurzer Zeit bestehende Organisation, die wichtige Kampagnen gegen die Steinhofmethoden, gegen die zentrale Geisteskrankenkartei und dergleichen führte, hatte in der Praxis ebenfalls noch keine Möglichkeit, in einem Fall wie diesem eine der Steinhofpsychiatrie entgegengesetzte Behandlung durchzuführen [...]

Ida H., S. 259

[...] Hutten stellte sich vor, ausgesucht höflich, er sei, fuhr er fort, nicht da, damit sie nach Steinhof, sondern damit sie nicht in eine Klinik komme, aber wenn sie weiterhin nichts esse, sei es seine ärztliche Pflicht, den Notarzt zu rufen, und alles weitere würde seinen Lauf nehmen, sie kenne das ja schon [...]

Ida H., S. 260

[...] aber Medikamente –“ Dann werde sie über kurz oder lang wieder am Steinhof sein, in ihrem geschwächten Zustand [...]

Ida H., S. 263

[...] sagt ziemlich wütend zu Ida, wenn sie unbedingt wieder nach Steinhof kommen wolle, dann wenigstens nicht von dieser Wohnung aus [...]

Ida H., S. 266

[...] Rückblende: Steinhof, von innen – Verwahrung und Verwahrlosung EINLIEFERUNG „– überführt nach steinhof [...]

Ida H., S. 278

[...] “ Aber es sei alles ganz anderes gewesen, beeilte er sich zu erklä- ren, er sei damals sofort hin zum Gericht und habe mündlich eingewendet, daß er nicht der Vormund seiner Tochter sein wolle, so sei das gewesen – er wisse schon, Ida mache ihn überall schlecht, „überall machts uns schlecht die Eltern überall erzähle sie herum, er habe sie nach Steinhof gebracht, „was glaubns, was ich mit dem Madl schon mitgmacht hab“, im Burgenland, damals, wie er sie, und weiß Gott was noch, geschlagen sei man mit so einem Kind [...]

Aus der Wildnis, S. 296

[...] Die Ärzte hätten nichts feststellen können außer einer leichten Gehirnerschütterung, keine physische Ursache seiner Starre, seiner Unansprechbarkeit (Kunststück!), bis er nach einigen Tagen nach Steinhof verlegt worden sei, in’ Guglhupf, zur Beobachtung [...]


Zitiervorschlag:
Steinhof. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w1.wildnis.914, 2019-02.