Kunstmaler

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Kommentar

Anspielung auf Thomas Bernhards Roman Frost und dessen Hauptfigur, den Kunstmaler Strauch (s. Eintrag ›Maler Strauch‹)

Textausschnitte

Ida H., S. 262

[...] “ In der Gastwirtschaft erzählt ein Kunstmaler H [...]

Aus der Wildnis, S. 356

[...] Im zweiten Stock, in engen Zimmer-Küche-Wohnungen unter dem Dach, wohnten Studenten, ein arbeitsloser Schauspieler, ein Vertreter für Klosettpapier mit absonderlichen Neigungen, ein Kunstmaler sowie zwei Frauen, Mutter und Tochter, gegen die Bezahlung einer Zeche bereits zu haben, für „ein Butterbrot“ käuflich; an ihnen taten sich manchmal die Mechaniker einer Werkstätte im Hof während der Mittagspause gütlich [...]

Aus der Wildnis, S. 357

[...] Verdrossen und unentschlossen, ob sie zurückkehren oder noch zuwarten sollten (waren noch Möglichkeiten? Konnte man jemanden anbohren?), saßen Kirsch und Stephanie abends oft beim Kunstmaler, tranken oder verfolgten das Fernsehprogramm [...]

Aus der Wildnis, S. 358

[...] An einem Abend erschien auch der Verlobte beim Kunstmaler, ein großgewachsener Mensch mit einem verschlossenen – vielleicht auch nur vom dichten Vollbart verschlossen wirkenden – Gesicht und ähnlich langen Haaren, wie Kirsch sie trug [...]

Aus der Wildnis, S. 359

[...] Eine langstielige Pfeife, wie aus einem alten Försterhaus (der Kunstmaler hatte sie mitgebracht), wurde herumgereicht; der weiße Pfeifenkopf schilderte außen eine fein gemalte Bootsfahrt auf einem Hochgebirgssee und war mit einem kunstvoll verzierten Deckel versehen [...]

Aus der Wildnis, S. 360

[...] Kirsch konnte mit den Bildern nicht viel anfangen, weil er die Sprache nicht verstand, viel lieber hätte er der Musik zugehört, Gespräche, auch die von Stephanie und dem Kunstmaler, Gelächter und die plötzliche Nervosität des Verlobten, sein Herumgehen im Zimmer, sein Hinausgehen und Wiederhereinkommen ärgerten und verstörten Kirsch [...]

Aus der Wildnis, S. 362

[...] Im Vorzimmer fand er eine merkwürdige Versammlung vor: Die Glühbirne an der Decke war eingeschaltet, ein trostlos helles Licht, der Verlobte lehnte am Fenster, und auf einem Sofa saßen der Kunstmaler, Leni und Stephanie; Leni hatte sich im Sitzen an Stephanie gekuschelt und ihren Kopf auf Stephanies Schoß gelegt, wie ein Kind, das beschützt und getröstet sein möchte, zugleich aber lachte sie und sagte voller Behagen: Oh, das tut gut, tut das gut [...]

Aus der Wildnis, S. 363

[...] stammelte endlich: Ich weiß nicht, was ist los? (Diese Feindseligkeit plötzlich! Von Stephanie, weil er nicht sofort nein gesagt hatte, von Leni, weil er nicht bejahte; vom Kunstmaler – er wackelte mit dem Kopf, als sei er ihm zu schwer, sein rotes Gesicht glänzte vor Vergnügen –, weil er den ansonsten überlegenen, großspurigen Kirsch (wie oft hatte er ihm aus Spott väterlich auf die Schulter geklopft!) noch nie so ratlos und kläglich erlebt hatte [...]

Aus der Wildnis, S. 364

[...] Und als habe Kirsch mit dieser Antwort alles kaputtgemacht, begann sie sich plötzlich auf dem Sofa herumzuwerfen, trommelte zornig und eigensinnig mit ihren Fäusten auf ihre Knie, um von Zeit zu Zeit, auch an ihren Verlobten gewandt, auszurufen: Oh, er ist grausam, er ist wie Franz, warum ist er so grausam? Wie Franz! Kirsch, der durch die unerwartete, wenn auch unbeabsichtigte Wirkung seiner Antwort eine gewisse überlegenheit zurückgewonnen hatte, fragte den Kunstmaler, wer Franz sei [...]

Aus der Wildnis, S. 365

[...] Oh, du bist böse, sagte Leni bestürzt, das darfst du nicht machen! Der Kunstmaler klatschte begeistert in die Hände und rief: Toll!, ein böser Seitenblick Stephanies brachte ihn aber sofort zum Schweigen [...]

Aus der Wildnis, S. 366

[...] Jean-Luc hatte ebenfalls seinen Platz verlassen und war ins Zimmer mit dem Plattenspieler gegangen, und Kirsch stand an der Tür, die der Kunstmaler eben geschlossen hatte; aber ehe er nach der Klinke greifen konnte, war Leni vor ihm, mit offenem Mund preßte sie sich an ihn, hatte ihre Arme fest auf seinem Rücken und Nacken und zog seinen Kopf zu sich herunter, sie küßten sich, Leni krallte eine Hand in K [...]

Aus der Wildnis, S. 367

[...] auf dem Bett sitzend, die Unterhose, eine dreiviertellange, warme Unterhose aus feinster Baumwollqualität, über das Gesäß streifte, geschah es: Ohnmächtig konnte er von oben, vom Kopf aus Zusehen, auf seine eigene Erniedrigung hinuntersehen – seine vorstehende Nudel begann auf und ab zu wippen, zu zucken, ein süßliches Gefühl, etwas im Fluß begriffenes nicht mehr aufhalten zu können, stellte sich ein, und das Glied entlud sich, stoßweise, mit hochrotem, glänzendem Kopf, wie der Kunstmaler; auch die Unterhose wurde in Mitleidenschaft gezogen [...]

Amok und Harmonie, S. 545

[...] * I M G E G E N S AT Z zu meinem Onkel, dem Kunstmaler Strauch, der sich in jüngeren Jahren noch unter Wiener Arbeiter und Marktleute gemischt hat, mische ich mich nicht mehr unter Arbeiter und Marktleute [...]

Amok und Harmonie, S. 546

[...] Bin auch ich, wie einst der Kunstmaler Strauch, früher manchmal durch den Stadtpark gegangen, so fürchte ich heute den Stadtpark und vergleichbare Parkanlagen und Kinderspielplätze, keinen Fuß setze ich in solche Parkanlagen mit ihren gemeingefährlichen Rentnern, Hundehaltern und Hunden, die auf den Rasenflächen und in die Kindersandkisten hinein ihre Notdurft verrichten, ihre scheußliche Hundenotdurft, jederzeit kann eine dieser Bestien über den Rasen auf einen zustürzen, jederzeit ein Rentner drohend seinen Stock schwingen [...]


Zitiervorschlag:
Kunstmaler. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w1.wildnis.1148, 2019-02.