Familienplanungsstellen

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Kommentar

Kofler meint hier wahrscheinlich die Beratungsstellen der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung, eines 1966 gegründeten Vereins, der „neben der Öffentlichkeits- und Informationsarbeit als Arbeitsschwerpunkte die anonyme und kostenlose Beratung in öffentlichen Krankenhäusern und Ambulatorien in Wien und Umgebung [hat] zu Themen wie z.B. der Wahl des passenden Verhütungsmittels, Schwangerschaftskonflikt, und -abbruch sowie Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten“ (Strilić 2012).

Textausschnitte

Ida H., S. NaN

[...] Dennoch kam es immer wieder vor, daß Frauen unerwünschte Schwangerschaften austragen mußten – weil die Frau „keinen Rechtsanspruch“ auf Vornahme eines Eingriffs hat [wie ein Homosexueller, bei Straffreiheit der Homosexualität, keinen Rechtsanspruch habe, vom Staat einen Freund beigestellt zu bekommen, sagte zu diesem Problem ein Zyniker aus einem Ministerium] und weil niemand zur Mitwirkung an einem solchen Eingriff gezwungen werden darf, wenn er aus Gewissensgründen die Tötung ungeborenen Lebens oder wie das heißt, ablehnt; weil es vor allem in den westlichen Bundesländern, im Herrgottswinkel, kaum ein Krankenhaus gab, das Unterbrechungen durchführte und weil dafür in Privatordinationen Honorare verlangt wurden, die oft so hoch waren wie zwei durchschnittliche Monatslöhne; und weil schließlich in den sogenannten Familienplanungsstellen so manche Frauen, die abtreiben wollten, zu einem Kind überredet, „umgedreht“ wurden und sich unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken ließen. [...]


Zitiervorschlag:
Familienplanungsstellen. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w1.ida.668, 2019-02.