twen

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Kommentar

1959 gegründete deutsche Jugendzeitschrift. Sie verstand sich als Sprachrohr einer kritischen, an der Popkultur interessierten Jugend. 1965 kaufte sie der Springer-Verlag, danach Gruner + Jahr, der die Zeitschrift 1971 einstellte (ab 1980 erfolgten einige Wiederbelebungsversuche). Der heute für seine Suhrkamp-Covers bekannte Grafiker Willy Fleckhaus (1925–1983) zeichnete für das anspruchsvolle Layout verantwortlich.

Textausschnitte

Guggile, S. 111

[...] – in der bauernstube hab ich zum nachtmahl einen aufschnitt gegessen, für die trude eine riesentafel milka schokolade um zwanzig schilling gekauft und ihr später überreicht; „das wär aber nicht notwendig gewesen [...]

Ida H., S. 183

[...] VORLÄUFIGE OBSORGE Wenn es zum Schutze einer eigenberechtigten Person dringend notwendig ist, so soll ihr nach der Aufnahme in eine Irrenoder ähnliche Pflegeanstalt oder nach Einleitung des Entmündigungsverfahrens auf Antrag oder von Amts wegen ein vorläufiger Beistand bestellt werden [...]

Ida H., S. 186

[...] fiel auf, daß sie in letzter Zeit etwas molliger geworden war, obwohl sie immer die Notwendigkeit des Gegenteils betonte; der ihr ohnehin etwas zu kleine Regenmantel erweckte jedenfalls den Eindruck einer leichten Rundung des Bauches [...]

Ida H., S. 198

[...] und was mir noch einfällt, ich hab mich mit dem gedanken –, man legt sich ja, wenn man sich auf das bett hinlegen muß, legt man sich mit irgendeinem gedanken hin und ich hab mich oft mit dem gedanken an ein kind hingelegt, dieses kind, hab ich mir gedacht, nehm ich jetzt zu mir ich umarm es ganz fest und das is bei mir, dieses kind hab ich sehr gern gehabt, eine kleine nichte von mir ist das und ich hab fest an das kind gedacht, wie’s mir den gummi in den mund – hab ich nur mehr an das kind gedacht und – an san franzisco, visavis vom bett war ein bild, das war die brücke von san franzisco im spital, aber ich hab nicht an dieses spitalbild gedacht sondern an eines von dieser brücke, was ich selbst im twen zuhause hab [...]

Ida H., S. 225

[...] WAS IST LOS, WAS GEHT VOR? Wahnsinn Die BRUNNENZEITUNG las Herbst nur an Sonnund Feiertagen; dies nicht aus Gründen der Festlichkeit, sondern weil er an diesen Tagen die Zeitung aus den an den Straßenecken aufgestellten Selbstbedienungs-Verkaufsständen „entwenden“ konnte [...]

Ida H., S. 243

[...] hat, er hat nämlich nur ländliche musik so Volksmusik, so blöde, gespielt, und einmal hat er wieder gehorcht, also die Vorstellung is so stark geworden, daß dieser nachbar wieder horcht und hört, was ich hör, daß ich eben hergegangen bin und ihm den araberkopf auf die tür geheftet hab –“ Herbst unterbrach und fragte: „Einen Araberkopf?“ „ja – so eine fotografie ausm ›twen‹, aus der zeitschrift, so einen köpf hab ich ausgeschnitten und mit einem stück tixo auf seine tür geklebt, damit er mich endlich verstehen lernt, und – ja, noch was fällt mir ein, ein packerl o [...]

, S. 334

[...] Abends saß Kirsch in seinem Dachbodenzimmer, in jenem Herbst, „da das Auge erkrankte am Rosten der Blätter“; Beethoven und Berlioz vom Tonband, Genie und Wahnsinn; er versuchte Gedichte zu schreiben, Naturlyrik, Jahreszeitengedichte, Fragmente, oder malte, von seinen Initialen ausgehend, Briefköpfe mit grüner oder brauner Tinte auf im übrigen aus der Kanzlei entwendete Briefbögen, „zerfließende sich auflösende Strukturen“ [...]

, S. 357

[...] Den übrigen, ihm verbliebenen Teil der Wohnung, sämtliches Mobiliar, alle Gegenstände, hatte er bis auf lebensnotwendige Ausnahmen mit weißer Farbe ausgemalt und gestrichen, Stühle, Betten, den Fernsehapparat, die Bretterfußböden, die Grafikpressen [...]

Konkurrenz, S. 437

[...] Nicht wahr, Karl, sagte er plötzlich sanft zum Waffenhändler, du hast doch nie eine Krawattennadel an ihm wahrgenommen, vielleicht will er uns nur in Schwulitäten hineinreiten, das ist mir der rechte Geschäftsfreund; nächstens wird ihm noch ein Diamant gestohlen, just in diesem Haus, oder gleich ein ganzer Diamantenkoffer! Irrtümlich mitgenommene Krawattennadel! Natürlich hat nicht der Amtsmißbraucher sie entwendet, sondern die Klä- gerin und Widerbeklagte hat sie ins Leihhaus getragen, ist doch klar [...]

Konkurrenz, S. 449

[...] Unnötig wäre er verbittert, während im Postkasten unbeachtet die erlösende Nachricht, die frohe Botschaft läge! (Einmal im Sommer hatte ein nie ausgeforschter Täter das Postkastentürchen aus der Verankerung gerissen, entzweigebrochen und die beiden Teile wieder ins plötzlich ungeschützte, wie eine Fensterhöhle offene Brieffach gelegt, und der Autor war geplagt von der Vorstellung einer ahnungslosen Kindesoder bösartigen Hausparteienhand, die sich in das Fach stiehlt, um wichtige Benachrichtigungen zu entwenden und zu vernichten – die reine Blödheit! Die pure Bosheit! jeden Vormittag erwartete er am Fenster das Auftauchen des Postboten, rannte sodann aus dem dritten Stock hinunter und nahm die Post – Post! – persönlich entgegen [...]

Amok und Harmonie, S. 539

[...] Die Erhebungen des Proletariats, die früher so genannten Klassenkämpfe, haben, denke ich, in der Motorisierung des Proletariats ihr Ende gefunden, die Motorisierung des Proletariats als Emanzipation, die Emanzipation und Befriedung des Proletariats als dessen Motorisierung, ein historischer Fortschritt, ein Fortschrittsrückschritt! Aus den revolutionären Massen sind motorisierte Massen geworden, eine motorisierte Massenbewegung, denke ich, eine motorisierte Massenbewegung aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit und zurück [...]

Amok und Harmonie, S. 593

[...] Reisepaß, Geld und Fahrkarte hatte ich bei mir, meine schon ziemlich schäbige jacke – überbekleidung in wie vielen Wintern schon? – würde ich nicht vermissen, es war plötzlich warm geworden, auch ohne sie konnte ich die Reise fortsetzen, und so arm konnte einer nicht sein, daß er es not hätte, eine solche jacke zu entwenden [...]


Zitiervorschlag:
twen. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w1.ida.618, 2019-02.