Mühl-Kommune im Burgenland

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Kommentar

Der Wiener Aktionskünstler Otto Muehl hatte (1970): in seiner Wiener Wohnung eine Kommune gegründet, die 1972/73 auf den sogenannten Friedrichshof in der Parndorfer Heide zwischen Zurndorf und Weiden nordöstlich des Neusiedlersees übersiedelte. „Insgesamt verlief die Entwicklung der ersten Jahre recht spontan und chaotisch, die Kommune verstand sich als Stammeshorde, die sich um einen charismatischen Häuptling/Schamanen versammelt“ (Schär 2015, 1). Die Kommune radikalisierte sich ab Mitte der 1970er Jahre nach der „Aktionsanalytischen Organisation“ und setzte ihre Prinzipien fest: „›Selbstdarstellung, freie Sexualität, Gemeinschaftseigentum, gemeinsame Arbeit und Produktion, gemeinsames Kinderaufwachsen, direkte Demokratie.‹ Diese Vorstellungen waren nicht besonders originell, sondern wurden zu jener Zeit in der linksalternativen Szene vielfach diskutiert. Das Neue an der AAO war weniger die Ideologie, als ihre radikale und – wie sich später zeigen sollte – zunehmend auch rücksichtslose Umsetzung“ (ebd.).

Textausschnitte

Ida H., S. 161

[...] als offenbar ihr Vater sich meldete, doch mit der Angst zu tun und sagte mit belegter Stimme „Servus, ich möcht die Mutti sprechen“; der Alte hingegen schien sie sofort mit Fragen und Vorwürfen einzuschnüren, denn Ida setzte immer wieder zu Entgegnungen an und brachte nichts heraus; begonnene Sätze brachen nach einigen Wörtern ab, sie schüttelte den Kopf, gestikulierte hilflos mit der freien Hand und winkte Herbst heran, daß er die Ungeheuerlichkeiten, die aus dem Hörer auf Ida eindrangen, mit anhöre – wo sie sich denn herumtreibe schon wieder, in ihren sogenannten Künstlerkreisen, unter welchen Taugenichtsen oder gar Rauschgiftsüchtigen, sie solle nach Hause kommen und ein anständiges Leben führen, schon aus Rücksicht auf ihre Mutter, die Mutti halte das nicht mehr durch, sie sei schon wieder ganz krank, seit weißgottwievielen Jahren das nun schon so dahingehe, die Mutti sei wieder in der Nervenklinik gewesen, im Theresienschlößl, und das sei ihre, Idas Schuld, sie solle ihm sagen, wo sie sich befinde, bei wem, vielleicht sei sie überhaupt in der Mühl-Kommune im Burgenland, sie gehöre dringend in ärztliche Behandlung, und wer sie verstecke, mache sich strafbar, er sei doch immerhin ihr Vater, ihr Vormund, und werde wohl besser wissen als sie, was zu tun und was für sie gut sei, sie solle doch – Ida brach das einseitig geführte Gespräch ab; das leise Klingen der Telefongabel signalisierte ihre neuerliche Niederlage [...]


Zitiervorschlag:
Mühl-Kommune im Burgenland. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w1.ida.558, 2019-02.