Theresienschlößl

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Kommentar

Das sogenannte Maria-Theresien-Schlössl in Wien-Döbling wurde nach einer Stiftung Nathaniel von Rothschilds 1912–1914 in ein neurologisches Krankenhaus umgebaut, das hier bis 2002 bestand.

Textausschnitte

Ida H., S. 161

[...] als offenbar ihr Vater sich meldete, doch mit der Angst zu tun und sagte mit belegter Stimme „Servus, ich möcht die Mutti sprechen“; der Alte hingegen schien sie sofort mit Fragen und Vorwürfen einzuschnüren, denn Ida setzte immer wieder zu Entgegnungen an und brachte nichts heraus; begonnene Sätze brachen nach einigen Wörtern ab, sie schüttelte den Kopf, gestikulierte hilflos mit der freien Hand und winkte Herbst heran, daß er die Ungeheuerlichkeiten, die aus dem Hörer auf Ida eindrangen, mit anhöre – wo sie sich denn herumtreibe schon wieder, in ihren sogenannten Künstlerkreisen, unter welchen Taugenichtsen oder gar Rauschgiftsüchtigen, sie solle nach Hause kommen und ein anständiges Leben führen, schon aus Rücksicht auf ihre Mutter, die Mutti halte das nicht mehr durch, sie sei schon wieder ganz krank, seit weißgottwievielen Jahren das nun schon so dahingehe, die Mutti sei wieder in der Nervenklinik gewesen, im Theresienschlößl, und das sei ihre, Idas Schuld, sie solle ihm sagen, wo sie sich befinde, bei wem, vielleicht sei sie überhaupt in der Mühl-Kommune im Burgenland, sie gehöre dringend in ärztliche Behandlung, und wer sie verstecke, mache sich strafbar, er sei doch immerhin ihr Vater, ihr Vormund, und werde wohl besser wissen als sie, was zu tun und was für sie gut sei, sie solle doch – Ida brach das einseitig geführte Gespräch ab; das leise Klingen der Telefongabel signalisierte ihre neuerliche Niederlage [...]


Zitiervorschlag:
Theresienschlößl. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w1.ida.556, 2019-02.