Elektroschocks

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Kommentar

In den von Kofler verfolgten Diskussionen um eine Reform der Psychiatrie in den 1970er Jahren in Deutschland und Österreich waren die „Elektro-Schocks“ fixer Bestandteil der Kritik (vgl. Klee 1977). Die klinische Psychiatrie hingegen verteidigte stets diese Behandlungsmethode und spricht von Elektrokrampfbehandlung, mit der bei schweren Depressionen und katatonen Syndromen von Schizophrenie durch die (unter Narkose stattfindende) Auslösung eines Krampfanfalls Therapieerfolge erzielt werden können. Die Psychiatrie wehrt sich seit langem gegen die„wissenschaftlich unhaltbare“ und „unsachliche“ Haltung von Teilen der Öffentlichkeit gegen die vermeintliche „Foltermethode“ (vgl. u.a. Schott 2003, 4; Gastpar u.a. 1996, 347). „Bei richtiger Handhabung wirkt die Elektrokrampfbehandlung nicht hirnschädigend.“ Die Wirkung ist bis heute nicht bekannt, es gebe aber „signifikante therapeutische Effekte“ (Schott/Tölle 2006, 476).

Textausschnitte

Ida H., S. 127

[...] Das Bild von Ida, das aus Informationsfragmenten, Vermutungen und Beobachtungen, aus Fremdwahrnehmungen entstanden und von Loidl und anderen verbreitet worden war, war das Bild einer Frau, die schizophren sei, zumindest wegen Schizophrenie im Steinhof gewesen sei und mit Elektroschocks behandelt worden sei, das Bild eines ehemaligen Mannequins, das phasenweise abgemagert und verwahrlost in der Innenstadt herumgehe oder durch die Wiener Subkultur irre, an die Türen der Wohngemeinschaften klopfe und immer irgendjemanden, hauptsächlich einen Künstler namens Loidl, oder irgendwas, Schlüssel zum Beispiel, suche; das Bild einer Frau, die sich über sich kaum oder nur ausweichend und zusammenhanglos äußere und vielleicht zehn oder zwanzig Jahre jünger aussehe, als sie wahrscheinlich alt sei, das Bild einer Frau in einem schäbigen, abgetragenen Regenmantel von Burberry’s [...]

Ida H., S. 150

[...] – von der Behandlung mit Elektroschocks herrühren mochte [...]


Zitiervorschlag:
Elektroschocks. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w1.ida.480, 2019-02.