kleinvassach

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Kommentar

Vorort im Norden von Villach

Textausschnitte

Guggile, S. 37

[...] reinlichkeit und reinheit: benennungen und ritual (aa hunde-a a pferde-a a herrenund damen-a a a a!) (beutln puzzile puzzile abbeutln tu das puzzile abbeutln schön das puzzile abbeuteln!) anal (urethral): ich habe gelernt, „aufn topf a a“, später „aufs klo große not machen“ zu gehen und „aufn kübel lulu“, später „kleine not“ oder, vorher noch, in kleinvassach, bei der tante unterwelz, statt lulu „wischile machn“ zu gehn; – gelernt, beim a a-machen nicht ins a a hineinzugreifen, weil es grauslich sei, nach dem a a-machen mir sorgfältig den „potsch zu putzn“, nachher nie zu vergessen, mir die hände zu waschen und, falls ich „pretschn“ – „pretschn“! – oder „einen fahrn lassen“ müsse, vor die tür zu gehen und mich dort „auszupretschn“ und „auszustinken“; habe ich viel pretschn müssen, bin ich – lustig – eine „pretschkathl“ genannt worden [...]

Guggile, S. 40

[...] ) erinnerungsspuren – verwandtschaft; onkln und tantn, großonkln und großtantn, die großmutter; der onkel fritz und die tante fini, der onkel unterwelz und die tante unterwelz, die omama: alte leute mit verschiedenen gebrechen, ihren gebrechen und ihrer nachgiebigkeit entsprechend nicht (nicht mehr) imstande, die von meiner mutter geforderte („ich bin konsequent“) rigide erziehung während meiner oft wochenund monatelangen aufenthalte im kleinvassacher großmutterhaus lückenlos zu garantieren [...]

Guggile, S. 41

[...] haus kleinvassach 46 ist in einen hügel hineingebaut [...]

Guggile, S. 64

[...] ich habe nichts bemerkt, ich kann mich nicht erinnern, an der mutti irgendeine veränderung wahrgenommen zu haben; auffällig einzig, daß ich plötzlich ungewöhnlich häufig gefragt worden bin, ob ich mir nicht „noch ein geschwisterle“ wünsche, falls ich – ich habe bejaht – wirklich ein brüderl oder schwesterl haben wolle, müsse ich jeden abend zucker ins fenster legen, möglicherweise komme dann über nacht der storch, der die kleinen kinder bringt, und hole sich die zukkerwürfel: sei am darauffolgenden morgen der zucker nicht mehr da (und der zucker ist jedesmal weggewesen), so sei es wahrscheinlich, daß der liebe hergott den storch bald „ein kleines puzzi“ bringen lasse, und prompt: nach einigen in kleinvassach bei der oma verbrachten wochen hat der papa mich wieder in die kernstockstraße zurückgebracht mit der nachricht, ich habe ein brüderlein bekommen; – da ist es gelegen dann auf meinem bett im wohnzimmer, an einem abend ende juli, ich bin, während der kinderwagen hergerichtet worden ist, danebengesessen und habe mich vorbehaltlos gefreut; bald darauf ist es getauft worden auf den namen hans ewald, hans nach seinem großonkel, dem onkel unterwelz, und ewald nach dem pater guardian des franziskanerklosters st [...]

Guggile, S. 72

[...] 73) geträumt: – mit auguste1 einen trip geworfen, wir schlendern auf dem antoniensteig dahin, der antoniensteig verbindet die rennsteinerstraße mit kleinvassach, wir sehen uns um nach einer möglichkeit im freien zu vögeln, der antoniensteig führt direkt nach dänemark, in eine mir unbekannte küstengegend, wir suchen ein zimmer in der nachsaison, eine gruppe inzwischen (eva2 ist plötzlich da und friedl3 und ? und?), suchen ein zimmer und finden keins [...]

Guggile, S. 74

[...] weil im geschäft soviel zu tun gewesen ist, hab ich die zeit der vorfreude als kleinkind im kleinvassacher großmutterhaus, als volksund hauptschüler die nachmittage im advent entweder im geschäft als aufpasser (achtend, daß im „gesteckt vollen“ geschäft nicht etwa jemand „böhmisch einkaufe“) oder allein zuhause verbracht; allein daheim, hab ich abgewaschen, ›aufgaben gemacht‹ und weihnachtsgeschenke angefertigt, bilder gemalt zum beispiel, ein bergkirchlein nach einer echten fotografie, ein bauernhaus nach einer kunstpostkarte vom verband mundund fußmalender künstler, während ich so vor mich hin gemalt habe, hab ich im radio das deutschsprachige programm von radio luxemburg gehört: viel festliche werbung, etliche meiner lieblingsschlager, allen anderen voran „ein schiff wird kommen“ von melina mercouri, wobei mich besonders eine geflüsterte textstelle – „gib mir noch einen zug aus deiner zigarette [...]

Guggile, S. 81

[...] hat man den bahnübergang, „die schrankn“, überquert, ist man die rennsteinerstraße in richtung rennstein, neue heimat, kleinvassach hinaufzugehn im begriff gewesen, so ist man rechterhand vorübergekommen zunächst am Schaukasten des stadtkinos („der hofrat geiger“), dann am ebenerdigen gebäude des ehemaligen linder tonkinos (nach kriegsende ist das linder tonkino aufgelassen worden [...]

Guggile, S. 88

[...] zweitagesausflüge: zweimal zu pfingsten nach triest, mit besichtigung von schloß miramare; das erste mal mit familie moser (onkel, tante und der moser-fritzi) und familie hochkofler (bekannte) – kofler auf fiat, moser auf topolino; das zweite mal mit familie moser und familie moritz (der kleinvassacher oberlehrer moritz und seine gattin, die frau oberlehrer moritz) – kofler auf opel olympia, moser auf renault [...]


Zitiervorschlag:
kleinvassach. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w1.guggile.242, 2019-02.