Zuerkennung des Canettistipendiums

TEI version< zurück

Kommentar

Elias-Canetti-Stipendium: Stipendium der Stadt Wien für die Förderung größerer literarischer Arbeiten mit einer Laufzeit von einem bis zu drei Jahren

Textausschnitte

Amok und Harmonie, S. 552

[...] * ABER ES IST ja nicht nur diese Stadt als Schadstoffkonzentration, es sind nicht nur die Automobilkonsumenten, die Konsumgüterverbraucher, die mir alles vergällen (der sogenannte Verbraucher wird ja selbst verbraucht, es ist ja weltweit das Kapital, das Industrieund das Handelskapital ist der eigentliche und einzige Verbraucher, der Verbraucher von Natur und Menschen, denke nicht nur ich), es ist nicht nur der stickige Achtunddreißiger im dürftigen Wienerwald, es ist ja auch diese Stadt als Kulturstadt, die mir so zuwider ist, diese sogenannte Kulturstadt, die mir die Zuerkennung des Canettistipendiums verweigert! Denn auch mein Bett, mein einziger Ort, ist ja nichts mehr, ist zumindest, das muß gesagt werden, nicht mehr das, was es vor sechs Jahren gewesen ist, und für die Anschaffung eines neuen fehlt mir das Geld, beispielsweise das Geld des Canettistipendiums [...]

Amok und Harmonie, S. 554

[...] Der Begründer des Freiheitssenders Ausseerland, Reischek, hat für sein Hörbild vom Volksmusiktreffen auf der Blaa-Alm und für seine gesamte Tätigkeit das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik umgehängt bekommen, der Dichter Canetti ist für sein Gesamtwerk mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden, ich habe für mein Hörbild über die Entstehung einer Geisteskrankheit den Reischekpreis zugesprochen erhalten, und jetzt wird mir unter Anleitung des Doktor Kraus die Zuerkennung des Canettistipendiums verwehrt [...]


Zitiervorschlag:
Zuerkennung des Canettistipendiums. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w1.amok.1750, 2019-02.