die Stadt als fortwährende Verschlimmerung, als Krankheitsgeschehen

TEI version< zurück

Kommentar

Anspielung auf den zentralen Themenkomplex Krankheit in Thomas Bernhards Werk, s. Eintrag ›Wie bei B.!‹

Textausschnitte

Amok und Harmonie, S. 536

[...] – Ein anderer Leserbriefschreiber wieder ist zur Auffassung gelangt, daß es keineswegs die Hunde sind (es sind ja nicht die Hunde), sondern die Radfahrer, die Radfahrer sind es, die in Naherholungsgebieten, in Parkanlagen und sogar auf Bürgersteigen eine unzumutbare Belästigung und Gefährdung der Umwelt darstellen, die Radfahrer und nicht die Hunde! Aber natürlich, denke ich, die Leserbriefschreiber und die Hunde sind es nicht allein (es sind ja nicht die Hunde), die diese Stadt in einen unerträglichen Zustand versetzen, auch die Stimmungen haben größten Anteil daran, die tödlichen und mit Melancholie gänzlich unzureichend charakterisierten Naturstimmungen in dieser dafür berüchtigten Stadt, die schrecklichen, heimtückischen Augustnachmittage, die hier besonders grauenvollen Frühherbstabende, diese Septemberabende und Oktoberabende, oder der in dieser Stadt ausgesprochen dumpfe Februar, die heruntergekommenen Winterstimmungen, sie lassen die Stadt als fortwährende Verschlimmerung, als Krankheitsgeschehen [...]


Zitiervorschlag:
die Stadt als fortwährende Verschlimmerung, als Krankheitsgeschehen. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w1.amok.1660, 2019-02.