der chinesische Salon des Herrn Heller in Hietzing

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Kommentar

Gemeint ist die Villa der Familie André Hellers in Wien-Hietzing. s. Eintrag ›André Heller‹

Textausschnitte

Amok und Harmonie, S. 534

[...] radikalen öffentliche Verkehrsmittelbenützer! Ich denke: wie soll mir diese Stadt gleichgültig sein, wenn ich all ihren Unflat anhören muß, den Verkehrslärm, das grauenvolle Glokkenläuten abends um sieben, das unerträgliche Wienerisch überall, dieses gemütsmenschliche und gemütsmörderische singende Wienerisch, dieses fachmännische Granteln über geöffneten Kühlerhauben und um schwere Motorräder herum, über Hunden und über Hunde, über Hundehaltung und über Hunden oft ohne Beißkorb und ohne Leine! Ohne Beißkorb und ohne Leine, und überhaupt: Hunde, aha!, denke ich, da haben wir es ja, es sind in Wirklichkeit gar nicht die Verfinsterungsstadtteile, diese Stadt ist ohnehin eine einzige Verfinsterung, es ist nicht der chinesische Salon des Herrn Heller in Hietzing, es sind nicht nur die Eitermusik, das Wienerisch und der Heurige, die diese Stadt so unwirtlich erscheinen lassen, der Alkohol ist ja kein Unglück (die Alkoholisierung ist nicht das Unglück, das Steuer ist eines, lieber alkoholisiert und nicht ans Steuer als nicht alkoholisiert und doch ans Steuer, denke ich), keineswegs ist es nur das Kirchenglockenläuten in den Morgen und in den Abend hinein, das mich an dieser Stadt so abstößt; der Verfinsterung kann man ja begegnen, einer inneren wie einer äußeren Verfinsterung kann man begegnen, einem Hund und einem Hundehalter aber kann man nicht immer begegnen, oft genug werden die Hunde gar nicht gehalten, zurückgehalten, oft genug werden arglose Fußgeher lediglich von Hund und Halter in Schach gehalten und terrorisiert [...]


Zitiervorschlag:
der chinesische Salon des Herrn Heller in Hietzing. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w1.amok.1644, 2019-02.