denke ich

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Kommentar

Im gesamten Textabschnitt Stadt und Anfall ahmt Kofler stilistische Charakteristika Thomas Bernhards nach, u.a. dessen häufigen Einsatz der „inquit“-Formel.

Textausschnitte

Guggile, S. 11

[...] “ (1965) diese skizze ist so entstanden: in klagenfurt, an einem lauen frühlingsabend (ich habe damals in villach im neuerbauten haus meiner eltern gewohnt, in klagen furt aber die lehrerbildungsanstalt besucht, jeden tag bin ich mit dem personenzug von villach nach klagenfurt und von klagenfurt nach villach gefahren, hin und her, ein fahrschülerdasein, an jenem abend bin ich, ich weiß nicht mehr, warum, länger als üblich in klagenfurt geblieben, bis zur abfahrt des nächsten, vorletzten zuges nach villach ist jedenfalls noch reichlich zeit gewesen), in klagenfurt also bin ich an einem lauen frühlingsabend auf dem weg zum bahnhof am thomas-koschat-park vorübergekommen, und wie ich am nach dem kärntner liederfürsten thomas koschat benannten koschat-park vorbeischlendere, denke ich [...]

Konkurrenz, S. 427

[...] Manche Tätigkeiten – eine Erholung!, sage ich immer wieder – erledige ich an Wochenenden auch selbst; ein Zimmer ausmalend, Fensterläden streichend oder mit einer Harke im verwilderten Garten arbeitend, denke ich nach, plane die nächsten Züge, mögliche Werbefeldzüge genauso wie Winkelzüge, was meine Prozeßgegnerin anlangt [...]

Konkurrenz, S. 445

[...] Im nachhinein noch bekomme ich einen Wutanfall, denke ich an ihre übungen, die Schule der Geläufigkeit, Läufe und Etüden, Etüden, Attitüden, Platitüden! Gelegentlich schnappte ich Worte auf, wie Diabelli oder children’s corner, und in meinem Kopf begannen sich diabellische Gedanken zu formen, ein diabellisches Lachen erschien in meinem Gesicht, durchquerte ich das Zimmer [...]

Konkurrenz, S. 447

[...] Die erste Ehefrau trotz ihrer Selbstmorddrohung jahrelang täglich betrogen, und nicht nur mit einer, mit Hunderten von Frauen – das soll ihm erst einer nachmachen! Muß der einen Hirsch haben, denke ich bewundernd [...]

Konkurrenz, S. 472

[...] ) Die Agentur, so denke ich, wird am sichersten auf dem Nicht-Prozeßweg zu retten sein, durch die Gütergemeinschaft auf den Todesfall [...]

Konkurrenz, S. 476

[...] Sie wird an Depressionen gelitten haben, den Tod des geliebten Vaters nicht verwunden und auch keine sehr glückliche Ehe geführt haben (der bei allem Zwist erschütterte Gatte wird das bestätigen können), sie wird allein im Hause, denke ich, eine überdosis eines schweren Schlafmittels geschluckt und anschließend au- ßerdem alle Gashähne des Küchenherdes aufgedreht haben; den Kopf in das geöffnete Backrohr gebettet, wird sie von mir, spät in der Nacht oder früh am Morgen heimgekehrt, aufgefunden worden sein [...]

Konkurrenz, S. 491

[...] Ich kann nur gewinnen, denke ich, und ich verschaffe mir nur mein Recht, zu dem mir vom Gericht nicht mit Sicherheit verholfen wird; eine kleine Nachhilfe, kleine Beihilfe zum Unfall, was ist dabei? Wir haben eine Gütergemeinschaft auf den überlebensfall abgeschlossen, und von eben dieser Möglichkeit werde ich Gebrauch machen [...]

Konkurrenz, S. 498

[...] ) * Geschickt gemacht!, das muß ich dem Autor wiederum lassen, das hat er gut gemacht: Während ich meinen Plan erfolgreich in die Tat umsetze, lenkt er ab mit seinen Wohnverhältnissen und den geschäftlichen Sorgen der Kentucky-Institute! (Vielleicht hat er aber auch nur den Zeitpunkt verpaßt und die Tat übersehen, oder ist er sich gar zu fein für eine Komplizenschaft?) Nun habe ich jedenfalls keine Zeugen, nicht einmal den Autor; NUR DER AUTOR WAR ZEUGE, das wäre doch ein wunderbarer Kriminalroman, denke ich vergnügt, längst sitze ich im Taxi, das mich von der Agentur zu meinem Haus bringt, um das Werk zu vollenden und meine in der Badewanne verunglückte Frau zu entdecken [...]

Amok und Harmonie, S. 532

[...] Der einzige Ort, an dem ich es in dieser Stadt noch aushalte, ist mein Bett, denke ich [...]

Amok und Harmonie, S. 533

[...] Aber gänzlich kann mir diese Stadt ja gar nicht egal sein, denke ich [...]

Amok und Harmonie, S. 534

[...] radikalen öffentliche Verkehrsmittelbenützer! Ich denke: wie soll mir diese Stadt gleichgültig sein, wenn ich all ihren Unflat anhören muß, den Verkehrslärm, das grauenvolle Glokkenläuten abends um sieben, das unerträgliche Wienerisch überall, dieses gemütsmenschliche und gemütsmörderische singende Wienerisch, dieses fachmännische Granteln über geöffneten Kühlerhauben und um schwere Motorräder herum, über Hunden und über Hunde, über Hundehaltung und über Hunden oft ohne Beißkorb und ohne Leine! Ohne Beißkorb und ohne Leine, und überhaupt: Hunde, aha!, denke ich, da haben wir es ja, es sind in Wirklichkeit gar nicht die Verfinsterungsstadtteile, diese Stadt ist ohnehin eine einzige Verfinsterung, es ist nicht der chinesische Salon des Herrn Heller in Hietzing, es sind nicht nur die Eitermusik, das Wienerisch und der Heurige, die diese Stadt so unwirtlich erscheinen lassen, der Alkohol ist ja kein Unglück (die Alkoholisierung ist nicht das Unglück, das Steuer ist eines, lieber alkoholisiert und nicht ans Steuer als nicht alkoholisiert und doch ans Steuer, denke ich), keineswegs ist es nur das Kirchenglockenläuten in den Morgen und in den Abend hinein, das mich an dieser Stadt so abstößt; der Verfinsterung kann man ja begegnen, einer inneren wie einer äußeren Verfinsterung kann man begegnen, einem Hund und einem Hundehalter aber kann man nicht immer begegnen, oft genug werden die Hunde gar nicht gehalten, zurückgehalten, oft genug werden arglose Fußgeher lediglich von Hund und Halter in Schach gehalten und terrorisiert [...]

Amok und Harmonie, S. 536

[...] – Ein anderer Leserbriefschreiber wieder ist zur Auffassung gelangt, daß es keineswegs die Hunde sind (es sind ja nicht die Hunde), sondern die Radfahrer, die Radfahrer sind es, die in Naherholungsgebieten, in Parkanlagen und sogar auf Bürgersteigen eine unzumutbare Belästigung und Gefährdung der Umwelt darstellen, die Radfahrer und nicht die Hunde! Aber natürlich, denke ich [...]

Amok und Harmonie, S. 537

[...] ) ja, denke ich, die allgemeine Automobilmachung ist es, der Individualverkehr ist es, der in dieser Stadt und nicht nur in dieser Stadt alles zerstört und immer noch zerstörerisch um sich greift [...]

Amok und Harmonie, S. 538

[...] denke ich, ist schon der Unfall, aber darüberhinaus sind ja die Ostösterreicher und die Wiener als rücksichtslose, selbstund gemeingefährliche Kraftfahrer bekannt und berüchtigt, der Niederösterreicher und der Wiener ist ein ausgesprochener Kraft-Fahrer [...]

Amok und Harmonie, S. 539

[...] Ein autofreier Tag, denke ich, ist lächerlich, nicht ein autofreier Tag, nur ein Auto freies Jahrhundert könnte vielleicht Abhilfe schaffen [...]

Amok und Harmonie, S. 540

[...] Aber das denke ich nicht wirklich, denn Freiheit, denke ich, läßt sich ja nicht verkörpern, Freiheit ließe sich höchstens im Chaos verkörpern, aber wenn die technische Verkörperung der Freiheit das Automobil sein soll, dann ist ja auch das Chaos die Verkörperung der Freiheit; wenn mehr als sechshunderttausend allein in Wien zugelassene PKW-Lenker und Kraft-Fahrer von ihrer Freiheit Gebrauch machen, Zeit und Weg, Ziel und Geschwindigkeit selbst zu bestimmen, dann herrscht ja das Chaos, und es herrscht ja tagtäglich das Chaos, das Verkehrs-Chaos, wie gesagt wird, das Chaos herrscht, die Unfreiheit herrscht, Unfreiheit und Chaos herrschen unter dem Deckmantel, unter dem Rechtstitel der Freiheit, denke ich und halte damit nicht hinter dem Berg, denn in Wirklichkeit ist ja die vermeintliche Freiheit des einzelnen längst zur tatsächlichen Unfreiheit aller geworden! (Freilich, der sogenannten Frau Waberl, der vielzitierten Frau Waberl wird das auf Anhieb nicht in den Sinn wollen, der Präsident der Industriellenvereinigung spricht gerne von der Frau Waberl als dem gemeinen Mann, dabei ist er der einzige, der ständig die Frau Waberl im Munde führt, stets die Frau Waberl bemüht, so daß er bereits wieder zu Recht von der Frau Waberl als einer vielzitierten und vielbemühten spricht; aber jetzt sage ich einmal Frau Waberl, jetzt spreche ich von der Frau Waberl, die, wie gesagt, das auf Anhieb nicht verstehen und von sich weisen wird [...]

Amok und Harmonie, S. 541

[...] Aber wenn sie zutrifft, und das muß sie ja, denke ich, so hat ja der Wiener genau die Natur, die er verdient, die sprichwörtliche Wiener Natur, den sandigen, staubigen Wienerwald und die anderen Wiener Naherholungsgebiete, eine ganz und gar unbegabte Landschaft, wie ich denke, aber auch gegen diese von vornherein nicht zum Besten zählende Natur geht der Wiener mit seiner gemütlichen Härte vor, ein echter Wiener, wird gesagt, geht ja nicht unter, und der Wiener schlechthin hat eine Naturbegabung für alles Motorisierte, er ist der geborene KFZ-Mechaniker [...]

Amok und Harmonie, S. 542

[...] Im oberen Mölltal mit dem Postautobus fahren, von Winklern oder Döllach auf die Franz-Josefs-Höhe unter dem Groß- glockner hinauffahren, das ist etwas, denke ich, während ich im städtischen Achtunddreißiger-Autobus die sogenannte Wiener Höhenstraße vom Cobenzl zum Kahlenberg hinauffahre, im Achtunddreißiger, der immer vollgestopft ist mit Wienern der vertrottelsten Sorte, vollgestopft mit diesen süßlich-dä- monischen Heurigenwienern (eine Plage, denke ich, aber die Abschaffung des Individualverkehrs muß mir das wert sein), im Achtunddreißiger über die Wiener Höhenstraße fahrend muß ich an den Postautobus auf der Großglocknerhochalpenstraße denken, ein gewöhnlicher Postautobus, der in eine Seehöhe von zweitausendfünfhundert Metern hinauffährt, denke ich im Achtunddreißiger, das ist etwas, ein städtischer Autobus, der auf den 470 Meter hohen Kahlenberg hinauffährt, ist dagegen nichts [...]

Amok und Harmonie, S. 543

[...] die Wiener Höhenstraße mit der Großglocknerstraße vergleichend, auch der Kahlenberg ist ja mit dem Großglockner nicht zu vergleichen, kein Vergleich, gar kein Vergleich, denke ich und halte damit nicht hinter dem Berg [...]

Amok und Harmonie, S. 544

[...] den Wiener Höhenweg gehen über der Baumgrenze und unter den ersten Dreitausendern der Schobergruppe, das ist etwas, die Schobergruppe, das ist etwas, denke ich im Achtunddreißiger, die Schobergruppe setzt sich ja, eine Seltenheit, aus mehr als fünfzig Dreitausendern zusammen, ihr Haupt ist der Hochschober, der große Bruder des Kleinen Schober, die Schobergruppe, denke ich im Autobus auf den Kahlenberg, ist etwas, eine Wiener Gruppe, eine Gruppe von Wiener Heurigenbesuchern ist dagegen nichts [...]

Amok und Harmonie, S. 545

[...] Von der Seescharte über Geröll und Schneefelder zum selbst im Hochsommer oft zugefrorenen Wangenitzsee hinabsteigen und in der Wangenitzseehütte einkehren, das ja, im Kahlenbergrestaurant einkehren, das nicht, denke ich im Achtunddreißiger, der Wiener Höhenweg ja, die Wiener Höhenstraße nein, auf der Wiener Höhenstraße vom Cobenzlrestaurant zum Kahlenbergrestaurant fahren nein, auf dem Wiener Höhenweg durch die Schobergruppe hindurch und in die Glocknergruppe hinein gehen ja, auf die Klockerin hinaufsteigen, auf den Vorderen Bratschenkopf, auf den Hackbrettler hinaufsteigen, auch das, das ist etwas, das ist ja etwas, im Wienerwald herumfahren, denke ich im langsamer werdenden Achtunddreißiger, das nicht, das ist ja nichts, denn so großartig der nur so genannte Wiener Höhenweg aus dem Osttirolischen ins Salzburgische ist, so jämmerlich, ja unerträglich ist die Wiener Höhenstraße im Wienerwald [...]

Amok und Harmonie, S. 546

[...] mals gesagt worden ist, aufzuklären und sie für die Revolution, für eine revolutionäre Haltung, zu gewinnen (einmal habe ich für einen solchen Agitationsversuch einen fürchterlichen Fausthieb einzustecken gehabt), so gehe ich heute den Arbeitern aus dem Weg; die Arbeiter, sage ich mir, reden ja doch nur von ihren Autos, von Autos, die sie haben und die ihnen Kopfzerbrechen machen und mit denen sie sehr zufrieden sind und die sie haben werden und die sie haben möchten; und wenn nicht über Motoren und Benzinverbrauch geredet wird, wird über das Fernsehprogramm geredet, über die Fernsehmassenprogramme, denn die meiste heute getane Arbeit macht ja stumpfsinnig, denke ich, die meiste heutzutage verrichtete Arbeit ist ja Arbeitsleid, und der Stumpfsinn auch außerhalb der Arbeit, der Vergnügungsund Freizeitstumpfsinn, ist, denke ich, eine Möglichkeit zu überleben, eine überlebenstaktik, auch wenn sie nach und nach das Leben kostet [...]

Amok und Harmonie, S. 547

[...] Solche Verkaufspulte gibt es nur noch in Trafiken und Apotheken, und oft gehe ich wie ein Verbrecher in Trafiken oder Apotheken hinein, erledige den Kaufakt und trage die gekaufte Ware wie die Beute eines Raubes in einem Plastiksack aus dem Geschäft; wie ein Verbrecher bin ich in dieses Geschäft hineingegangen, denke ich nachher; natürlich gehe ich nicht als Verbrecher und auch nicht wie ein Verbrecher in solche Geschäfte hinein, aber die Geschäftsinhaber, bestimmte Trafikanten, gewisse Apotheker, sehen in mir, kaum daß ich eingetreten bin, einen Verbrecher [...]

Amok und Harmonie, S. 548

[...] den heute modernen, ja hypermodernen, in die Zukunft und ins nächste Jahrtausend weisenden neofuturistischen Künsten und Kunstformen kann man sich nur fernhalten, denke ich, von all diesem digitalen Unfug, von all dieser sogenannten Videokunst, all diesen Performances; alle diese Installationen sind ja nichts, denke ich, und doch überall, da eine Installation, dort eine Installation; hier eine Videoinstallation, da eine Videoinstallation, ah, eine Videoinstallation, denke ich, und ah, noch eine Videoinstallation, und ah, eine dritte Videoinstallation, viele Videoinstallationen, elektronische Kunst, ah!, die neuen Medien, ah!, die multimediale Kunst! Ein Bild malen, denke ich, eine Grafik herstellen, ein Gedicht, ein Buch schreiben, Musik spielen, einen Film drehen, das ist etwas, das könnte zumindest etwas sein, alles andere ist ja nichts, eine Industrialisierung der Kunst ist ja nichts, ist bloße Technik und in höchstem Maße uninteressant, denke ich und halte damit nicht hinter dem Berg [...]

Amok und Harmonie, S. 549

[...] Apriach, denke ich, oder Winklern, montags Winklern; am Montag vor drei Wochen, am Montag vor zwei Wochen, am Montag vergangener Woche noch: Winklern, der Fußweg nach Winklern durch den Wald, die vormalige und jetzt verfallene alte Glocknerstraße hinunter, montags Winklern, montags Zeitungen und Zeitschriften aus dem Gemischtwarengeschäft in Winklern, am Montag der Waldweg nach W [...]

Amok und Harmonie, S. 550

[...] Die elektrisch betriebene Eisenbahn ist ja kein Unglück, denke ich und halte damit nicht hinter dem Berg, nur das benzinbetriebene Auto ist ein Unfall, ein Zusammenstoß mit der Natur, denke ich und verliere mich in Gedanken wieder in den Hohen Tauern [...]

Amok und Harmonie, S. 551

[...] Auch auf den Ederplan bin ich hinaufgestiegen, über die Ederalm zum Anna-Schutzhaus, einer Stiftung des Malers Defregger, einer Defregger-Stiftung, Samstag vor drei Wochen: Ederplan, denke ich, offenes Gösser Bier in zweitausend Metern Höhe, ausgezeichnete Fernsicht, denke ich, und kaum habe ich mich in meinem Bett in den Garten vor dem Schutzhaus hineingedacht, kaum habe ich in Gedanken den 2000 m hohen Ederplan erreicht, da schmeißt unten, drei Stockwerke tiefer, in 170 m Seehöhe ein Idiot mit der für Kraftfahrer typischen größten Rücksichtslosigkeit seine Autotür zu und startet sein Fahrzeug, daß es mich vom Ederplan wieder herunter und beinahe aus dem Bett wirft, verdammter Idiot, denke ich, der seinen PKW in Betrieb nimmt, ohne aber sogleich wegzufahren, nein, er läßt das Motorengeräusch anschwellen und abschwellen und wieder anschwellen, er läßt den Motor warmlaufen, obwohl es überhaupt nicht kalt ist, läßt er den Motor Warmlaufen, sein geliebter Motor muß sich aufwärmen, denke ich, und will ans Fenster zum Maschinengewehr eilen, das ich zur gebührenden Beantwortung solcher rohen Gewalt am Fenster montiert mir vorstelle, unwillkürlich vorstelle (eine Großstadt wie diese macht einen ja nervenkrank, macht einen zum Kopfschüßler, eine solche Stadt wirkt sich ja aus wie eine Silberplatte im Kopf, denke ich und halte damit nicht hinter dem Berg) [...]

Amok und Harmonie, S. 552

[...] mehr zu denken, und auch sonst an nichts, denke ich, in dieser Autotürenund Autohupenund Automotorenbetriebsamkeit denke ich nur noch: Ruhe, endlich Ruhe, Ruhe da unten, aber sonst ist an nichts mehr zu denken, nicht an die Mühlen in Apriach, nicht an Stronach, an Schlaf nicht, an nichts [...]

Amok und Harmonie, S. 553

[...] Nur ist inzwischen, denke ich, mit diesem Reischekpreisbett nichts mehr zu gewinnen; ein indiskretes Bett, das, wenngleich der Marke Sultan, einer der besten damals erhältlichen, nach sechsjähriger Benützung den Geschlechtsverkehr immer lauter begleitet und den Rhythmus quietscht und knarrt, aus dem es einen bringt (dem Geschlechtsverkehr ist es gestattet, Lärm zu machen, dem Bett nicht!) [...]

Amok und Harmonie, S. 554

[...] erfolglos und doch auch wieder erfolgreich totzuschweigen versuchen, die Kulturgewalttäter sind es nicht alleine, es ist ja, denke ich und halte damit schon gar nicht hinter dem Berg, es ist ja der Doktor Kraus, der hinter allem steckt, der Philosophiejournalist, der in keiner jury fehlen darf, ist es, der größte Ämterkumulierer im kulturellen Bereich! Dieser Mann hat mich ja schon um hunderttausende Schilling gebracht, einen anderen als mich hätte dieser Mann längst ruiniert! Seit ich 1968 wie ein Verbrecher in eine Veranstaltung der Gesellschaft für Literatur im Palais Palffy hineingegangen bin (in meinem Künstlerrock habe ich beim Betreten des Lesesaales sofort feststellen können, daß der an der Tür die Plätze zuweisende Doktor Kraus mich als Verbrecher, als Störer angesehen hat, mich und meinen Malerfreund Zeppel hat er in die letzte Sitzreihe des ohnehin fast leeren Saales gewiesen, wir haben aber bald nach Beginn der Lesung den Saal wieder verlassen), seit ich vor Jahren geschrieben habe, daß der Doktor Kraus mit dem Karl Kraus nicht verwandt, sondern von diesem erfunden ist, seither verfolgt mich dieser Akademiker mit seinen heimlichen juryentscheidungen, mit seinen, wie ich sage, passiven Vernichtungsfeldzügen, von denen ich, über verläßliche Zuträger, noch jedesmal Kenntnis erhalten habe [...]


Zitiervorschlag:
denke ich. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w1.amok.1626, 2019-02.