Jacob Sket
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Zitiervorschlag: Karin Almasy (2016): Jacob Sket. In Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.person.2741, abgerufen am 13. 07. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.2.2741.
Einleitung
Die Korrespondenz zwischen Jakob Sket und Hugo Schuchardt wurde von Karin Almasy bearbeitet, kommentiert und eingeleitet
Bedeutung
Jakob Sket wurde 1852 im untersteirischen Mestinje/Möstin nahe der kroatischen Grenze geboren. Nach dem Schulbesuch in Celje/Cilli und Maribor/Marburg studierte er zwischen 1873–1877 in Graz klassische Philologie. Seine Studienjahre in Graz dürften den jungen Sket geprägt haben. Er bildete sich vielseitig; studierte sowohl die römische und griechische Literatur als auch die historische Grammatik moderner Sprachen. Bei Gregor Krek besuchte er slawistische Vorlesungen, bei Anton Schönbach bildete er sich über die altdeutsche und angelsächsische Grammatik, beim Linguisten Johannes Schmidt belegte er Sanskritgrammatik und die Grammatik der altitalischen und gotischen Sprachen. Bei Hugo Schuchardt schließlich hörte er Vorlesungen zur italienischen Grammatik. Aus dieser Bekanntschaft mit seinem Professor erwuchs die hier vorliegende Korrespondenz.
Im ersten Jahr seines Studiums in Graz leistete er gleichzeitig den einjährigen Freiwilligendienst ab, womit man sich nach der damals in Friedenszeiten geltenden Regelung die Wehrpflicht verkürzen konnte, wenn man eine höhere Schulbildung durchlief, da man schon nach einem Jahr und Ablegung einer Prüfung in die Reserve wechseln konnte. Im Herbst 1877 trat er die Supplentenstelle am Klagenfurter Gymnasium an und im März 1878 machte er die Gymnasiallehramtsprüfung für Griechisch und Latein für die unteren Gymnasialklassen und die slawischen Sprachen für alle Gymnasialklassen in der deutschen und der slowenischen Unterrichtssprache. Im Juni 1878 reichte er schließlich seine Dissertation Die Deklination der consonantischen Substantivstämme im Alt- und Neuslovenischen ein, womit er zum Doktor der Philosophie promoviert wurde (Smolej 2014: 203f).
Der Lauf der Geschichte unterbrach seinen Bildungsweg abrupt, als er im Juli 1878 als Reserve-Leutnant einberufen wurde und im Reserve-Regiment Nr. 47 am Okkupationsfeldzug in Bosnien teilnahm. Seine Eindrücke und Erfahrungen in Bosnien verarbeitete Sket in seinen Kulturnohistorične črtice iz Bosne („Kulturhistorische Skizzen aus Bosnien“, 1878) und im Roman Milko Vogrin, in denen er recht autobiographisch die Kämpfe eines jungen Doktors in Bosnien beschrieb (1883). Nach seiner Rückkehr aus Bosnien kehrte er nach Klagenfurt zurück, wobei er eine weitere akademische Karriere in Wien oder Graz anstrebte. So bewarb er sich 1878 für eine Professorenstelle in Wien; 1883 bat er Schuchardt um Unterstützung, als er sich für die vakante Professur am Grazer Gymnasium bewarb. Seine Aspirationen zeitigten aber keinen Erfolg. Obwohl er mit seinem „Schicksale eines Gymnasiallehrers in einer Provincialstadt“ haderte, wie er es in einem Brief an Schuchardt formulierte, gelang es ihm doch nicht, in einer Universitätsstadt beruflich Fuß zu fassen und er blieb sein restliches Leben in Klagenfurt, wo er 1879 Marija Seewald heiratete (N.N. 1937), 1908 in den Ruhestand trat und 1912 im Alter von 60 Jahren verstarb. Kinder sind keine überliefert.
In sprachwissenschaftlicher und bildungspolitischer Hinsicht trat Jakob Sket das Erbe von Anton Janežič (1828–1869) an, dessen Schulgrammatiken und -lesebücher er zunächst überarbeitete und in weiterer Folge, da er sie als veraltet erkannte, weiterentwickelte. Es entstand ein äußerst erfolgreiches slovenisches Sprach- und Uebungsbuch für Deutsche (1879), der Grundriss der slovenischen Grammatik und seine sechsteilige Reihe von slowenischen Lesebüchern (Slovenske čitanke) für die Gymnasien, die ab den 1890er Jahren approbiert wurden und spätestens ab 1905 die einzigen slowenischen Lesebücher für die Gymnasien darstellten. Während des Ersten Weltkrieges allerdings, als das Approbationsverfahren zensurähnliche Ausmaße annahm, gerieten seine Lesebücher wegen „slowenischer Propaganda“ ins Visier der Staatsspitze, da gewisse darin enthaltene Lesetexte aus ideologischen Gründen als österreichfeindlich bzw. serbo- bzw. russophil eingestuft wurden (Almasy 2017, Koblar 2013).
Auch literarisch war Sket tätig; am bekanntesten und insbesondere in Kärnten besonder beliebt ist sein Drama Miklova Zala, eine aus der Volksüberlieferung stammende und von Sket weiterentwickelte Liebesgeschichte, die in der Zeit der Türkenkriege spielt; die jedoch heute aufgrund eindeutiger antisemitischer Stereotype und Negativcharakterisierungen auch kritisch gesehen wird (Sket 1884; Pfandl 2013). Doch seinen wohl wichtigsten Beitrag zum slowenischen Literatur- und Geistesleben leistete Sket als Herausgeber der einflussreichen literarisch/wissenschaftlichen Zeitschrift Kres und als Vorstandsmitglied und spiritus movens des Mohorjeva/Hermagoras-Vereins. Gemeinsam mit Gregor Krek und Davorin Trstenjak gründete er 1881 die Zeitschrift Kres, die zum wichtigen Publikationsorgan slowenischer Wissenschaftler und Literaten fungierte, allerdings in direkter Konkurrenz zum Ljubljanski zvon aus Ljubljana stand, und aus Mangel an Lesern 1886 ihr Erscheinen einstellen musste. Im Rahmen des 1851 gegründeten, katholisch-kulturpolitisch orientierten Mohorjeva/Hermagoras-Vereins, der durch seine günstige Buchproduktion für die breite Bevölkerung der geflügelten Aussage zufolge „den Slowenen das Lesen beigebracht hat“, stieg Sket in die Fußstapfen seines bedeutenden Vorkämpfers Janežič und war zwischen 1883 bis zu seinem Tod im Vorstand des Vereins tätig (Koblar 2013). Jakob Sket wurde durch all diese Tätigkeiten für das slowenische Schul-, Kultur- und Literaturwesen zu einem der vitalsten Vertreter in einem der wichtigsten geistigen Zentren der Slowenen im 19. Jahrhundert, das er dennoch als „Provincialstadt“ so gering schätzte: Klagenfurt.
Briefedition und Kommentare
Erhalten haben sich 7 Schreiben von Sket an Schuchardt und ein Brief von Schuchardt an Sket. Der Brief von Schuchardt an Sket stammt aus dem Nachlass Skets in der Handschriftensammlung der slowenischen Nationalbibliothek. Das Schuchardt Archiv wurde von Tone Smolej auf diesen Brief aufmerksam gemacht, dem an dieser Stelle dafür Dank ausgesprochen sei. (Vgl. NUK, rokopisna zbirka, SKET, Jakob. Ostalina. Sig. Ms 1049). Die Korrespondenz verteilt sich chronologisch folgendermaßen:
1877 1 Brief
1879 1 Brief
1883 1 Brief von HS an Sket und 1 Brief von Sket an HS
1886 3 Briefe und eine Correspondenz-Carte
Zur Frage der Vollständigkeit dieser Korrespondenz lässt sich leider nichts Genaues sagen. Ihr Briefwechsel begann offensichtlich, nachdem sich Professor und Student in Graz kennengelernt hatten und Sket nach Klagenfurt zog. Die Häufigkeit ihrer Korrespondenz korrelierte wohl mit Schuchardts Annäherung an die slawischen Sprachen, „zu der ihn seine Übersiedelung nach Österreich auf natürlichem Wege führte“ (Gerhardt 1971: 7). Gegenstand seines besonderen Interesses und Inhalt seiner Korrespondenz mit Jakob Sket sind Interferenzen zwischen dem Deutschen und dem Slowenischen bzw. Slawischen (wie sie Schuchardt bereits in Slawo-Deutsches und Slawo-Italienisches 1884 thematisierte) und etwaige Dialektstudien in Kärnten. Sket fungierte für Schuchardt gewissermaßen als Auskunftsperson zu Fragen des Slowenischen und der Sprachmischung in Kärnten. Sket wiederum erhoffte sich von seinem ehemaligen Professor Hilfe in beruflichen Belangen. Wieso die beiden nach 1886 nicht mehr einander geschrieben haben (oder wieso keine Korrespondenz mehr erhalten ist), ist leider unklar. Auch führten weder Schuchardt noch Sket jemals die mehrmals in ihrer Korrespondenz angesprochenen „dialectologischen Studien“ durch.
Die Briefedition wurde unter Mitarbeit von Johannes Mücke erstellt.
Bibliographie
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Almasy, Karin. 2017. „…za Boga in véro, za cesarja in domovino!”. Translationskultur und ideologische Steuerung in slowenischen Schullesebüchern (1848–1918). Dissertation. Graz: [in Arbeit].
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Herkunft der Digitalisate
Für die von Hugo Schuchardt an Jacob Sket verschickten Briefe gilt:
Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung der National and University Library Ljubljana, Manuscript, Incunabula and Rare Books Collection.
Die von Jacob Sket an Hugo Schuchardt verschickten Briefe befinden sich in:
