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Heinrich Schneegans

URI: https://gams.uni-graz.at/o:hsa.persons#P.2654
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Zitiervorschlag: Hausmann, Frank-Rutger (2015): Heinrich Schneegans. In Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.person.2654, abgerufen am 28. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.2.2654.


Einleitung

Die Korrespondenz zwischen Heinrich Schneegans und Hugo Schuchardt wurde von Frank-Rutger Hausmann bearbeitet, kommentiert und eingeleitet.

Bedeutung

(1863-1914)

Heinrich Alfred Schneegans (11.9.1863 Straßburg i.E. – 6.10.1914 Bonn) ist einer von mehreren Straßburger Schülern Gustav Groebers, der ihn 1887 promoviert und 1892 habilitiert hatte. Nachdem Schneegans einen Ruf nach Rostock abgelehnt hatte, war er am 23.6.1897 Straßburger Extraordinarius geworden. Ein Jahr später wurde er nach Erlangen berufen. Auf der 44. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Dresden, die vom 29. September bis zum 2. Oktober 1897 tagte, hatte er einen Vortrag mit dem Titel „Die affketische Diphthongierung in den romanischen Sprachen“ gehalten, der offenbar kontrovers diskutiert worden war. Dem Problem der Diphthongierung war er bereits in seiner Dissertation Laute und Lautentwicklung des sicilianischen Dialectes nebst Mundartenkarte und aus dem Volksmund gesammelten Sprachproben (Straßburg 1888) nachgegangen.

Ausgehend von der Beobachtung, daß in einem großen Teil des romanischen Sprachgebiets, namentlich in den rätischen und italienischen Mundarten, die Erklärung offener Vokale große Schwierigkeiten bereitet, weil oft in demselben Gebiet in denselben Wörtern oder in solchen, die ganz dieselbe lautliche Zusammenstellung aufweisen, bald Diphthongierung eintritt, bald unterbleibt, vertritt Schneegans die Theorie, daß der Affekt die Ursache der Diphthongierung sei.

Da insbesondere die anwesenden Romanisten Heinrich Morf (Zürich), Hermann Suchier (Halle a. S.) und Karl Voretzsch (Tübingen) Schneegans‘ These ablehnten, war er sich nicht sicher, ob er seinen Beitrag zum Druck befördern solle. So wandte er sich offenbar an andere anerkannte Romanisten, um ihre Meinung einzuholen. Wenn er Schuchardt bittet, Luick zu grüßen, der damals noch in Graz lehrte, so vermutet er in ihm offenbar einen Bundesgenossen, da Luick in Dresden über die Quantitätsveränderungen im Lauf der englischen Sprachentwicklung referiert hatte.

Leider ist die Antwort Schucharts nicht erhalten (auch die anderer Gewährsmänner nicht). Sie scheint jedoch nicht so positiv ausgefallen zu sein, daß sich Schneegans zu einer Drucklegung seines Beitrags entschließen konnte.

In den Verhandlungen der vierundvierzigsten Versammlung deutscher Philogen und Schulmänner in Dresden vom 29. September bis zum 2. Oktober 1897, zusammengestellt von Reinhard Albrecht, Leipzig 1897, 145-147, wird Schneegans‘ Vortrag gut zusammengefaßt. Besonders aufschlußreich ist auch sein (undatierter) brieflicher Bericht an den Freund Philipp August Becker, den er wenige Tage nach Ende der Tagung verfaßt hat. Am Ende heißt es: „Wir gerieten in D[resden] doch alle sehr in Furie, sodaß nachher der schöne Witz gemacht werden konnte: ,Wir waren alle so sehr im Affect, daß wir diphthongierten‘. Freymond meinte, er wolle mich von nun an nur d. Collegen Schné-egans nennen, mit schönem gebrochenen Vocal“. Wie immer man Schneegans‘ These bewertet, wird man ihm darin zustimmen müssen, daß hinter jedem Lautgesetz auch psychisch treibende Faktoren vorhanden sind.

Vgl. auch den Eintrag zu Schneegans im Romanistenlexikon.

Gegenbriefe

Der Verbleib einer möglichen Antwort Schuchardts an Schneegans ist ungewiss.

Briefedition und Kommentare

Der Brief von Heinrich Schneegans an Schuchardt (Bibliotheksnummer 10134) stammt aus 1898. Die Initiative zur Korrespondenz ging anscheinend von Schneegans aus.

Herkunft der Digitalisate

Die von Heinrich Schneegans an Hugo Schuchardt verschickten Briefe befinden sich in:

Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen