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Grigor Khalatian

URI: https://gams.uni-graz.at/o:hsa.persons#P.1905
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Zitiervorschlag: Petra Hödl (2014): Grigor Khalatian. In Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.person.1905, abgerufen am 06. 03. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.2.1905.


Einleitung

Die Korrespondenz zwischen Grigor Khalatian und Hugo Schuchardt wurde von Petra Hödl bearbeitet, kommentiert und eingeleitet.

Bedeutung

Im Schuchardt-Nachlass ist nur ein Brief von Grigor Khalatian erhalten. In diesem erkundigt sich der Verfasser nach einer armenisch-georgischen Handschrift, die sich laut Auskunft des Mechitaristenordens in Wien in Schuchardts Besitz befindet soll. Tatsächlich hatte Schuchardt Anfang des Jahres 1897 dem Maler Alfons Mielich georgische Handschriften abgekauft, nachdem die k.-und k. Hofbibliothek in Wien den Kauf abgelehnt hatte. Zwar hatte Schuchardt sich bereits zuvor mit dem Georgischen beschäftigt (und dazu publiziert), doch mit dem Erwerb dieser Manuskripte dürfte sich seine Faszination für die georgische Sprache und Kultur noch verstärkt haben. Bezeichnenderweise ist einer der letzten Briefe, die Schuchardt vor seinem Tod geschrieben hat, an den georgischen Sprachwissenschafter Akaki Schanidse gerichtet (vgl. Imnaischwili 1980: 77). Er stammt vom „Ostersonntag 1927“ (d.h. vom 17. April 1927, 4 Tage vor Schuchardts Tod) und mit diesem übermittelte Schuchardt dem Adressaten seine „Mittheilungen aus georgischen Handschriften“, wohl Ende des 19. Jahrhunderts verfasst und posthum erschienen im Bulletin de l'Université de Tiflis (Schuchardt 1928).

Die armenischen Handschriften, die Schuchardt erstanden und damit für die Wissenschaft erhalten hat (damals verschwanden viele wertvolle Handschriften spurlos, vgl. Imnaischwili 1980: 81), stammen aus dem Katharinen-Kloster am Berg Sinai. Sie werden heute noch in der Universitätsbibliothek Graz aufbewahrt (UBG 2058) und gehören zu den wertvollsten nicht-lateinischen Handschriften der Bibliothek. Bei der Handschrift, die in Khalatians Brief angesprochen wird, handelt es sich um einen sogenannten Palimpsest, d.h. um ein überschriebenes Manuskript. Der Ersttext ist armenisch, wurde später gelöscht und mit einem georgischen Psalm überdeckt. Seine Edition wird an der Universitätsbibliothek Graz vorbereitet, s. http://www.vestigia.at/armenischerpalimpsest.html.

Informationen

Grigor Abramovich Khalatian (auch Krikor/Gregor Chalatian[tz/s]/Khalat‘iants/Xalat‘eanc‘) war ein armenischer Philologe und Historiker. Er wurde 1858 in Alexandropol (heute: Gjumri) geboren. Zuerst studierte er Medizin, später armenische Philologie und Geschichte am Lazarewschen Institut für orientalische Sprachen in Moskau sowie in Jena. Am Lazarewschen Institut unterrichtete er armenische Literatur und leitete die dortige Abteilung für Geschichte und Philologie (vgl. Avakian 1994:xxi). Von 1901 bis zu seinem Tod 1912 in Tiflis war er außerdem Herausgeber der ethnographischen Zeitschrift Eminian Azgagrakan Zhoghovatsu.

Ein wichtiger Arbeitsbereich von Khalatian war die armenische Ethnographie (s. beispielsweise auf Deutsch Khalatian 1887). Ebenfalls 1887 publizierte er eine Anleitung zur systematischen Sammlung von folkloristischen Texten (übersetzter Titel: „Plan für armenische Ethnographie und folkloristische Rechtsbräuche“), u.a. mit Hinweisen zur Datensammlung und zur Transkription.

Darüber hinaus edierte und kommentierte er armenische Bibelübersetzungen und religiöse Schriften. Im Brief angesprochen wird die Vorbereitung seiner Herausgabe der Moskauer Evangelienhandschrift aus dem Jahr 887 (phototypisch herausgegeben 1899a), welche lange Zeit als das älteste armenische Textzeugnis galt. Ebenfalls erwähnt wird seine Herausgabe der Bücher der Chronik (1899b).

Ein Zitat aus Khalatians Brief in englischer Übersetzung ist abgedruckt in einem Online-Artikel von Imnaischwili, s. http://www.spekali.tsu.ge/index.php/en/article/viewArticle/1/4.

Bibliographie

Avakian, Anne M. (1994). Armenian Folklore Bibliography. Berkeley u.a.: University of California Press.

Imnaischwili, Wachtang (1980). Hugo Schuchardt und das Georgische. In Klaus Lichem & Hans Joachim Simon (Hgg.), Hugo Schuchardt: *Gotha 1842 -†Graz 1927. Schuchardt-Symposium 1977 in Graz. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, pp. 73-83.

Imnaischwili, Wachtang (O.J.). Was it in 1928 that the data about Georgian manuscripts kept at the University of Graz became known in Georgia for the first time?. Spekali, 1, s. http://www.spekali.tsu.ge/index.php/en/article/viewArticle/1/4.

Khalatian, Grigor (1887). Märchen und Sagen. Leipzig: W. Friedrich.

Khalatian, Grigor (1887). Tsragir Hay azgagrutean ev azgayin iravabanakan sovorutiunneri [Plan for Armenian ethnography and ethnic judicial customs]. Moskau. [bibliographische Angabe nach Avakian 1994].

Khalatian, Grigor (1899a). Evangile traduit en langue arménienne ancienne et écrit en l'an 887: Edition phototypique du manuscrit de l‘Institut Lazareff des langues Orientales aux frais du Prince S. Abamélek-Lazareff. Curateur honoraire de l’Institut. Moskau.

Khalatian, Grigor (1899b). Girk‘ Mnac‘ordac‘ ĕst Hnagoyn ‘Hay T‘argmanut‘ean [The Book of Chronicles according to the oldest Armenian translation]. Moskau. [bibliographische Angabe nach Stone 2006].

Kouymjian, Dickran (1997). Armenian Paleography: A reassessment. In François Déroche & Francis Richard (Hgg.), Scribes et manuscrits du Moyen-Orient. Paris: Bibliothèque nationale de France, pp. 177-188.

Mouradian, Claire (1990). La revue ethnographique arménienne Azgagrakan hands, Chouchi-Tiflis, 1895-1916. Cahiers du monde russe et soviétique, 31 (2-3), 295-316.

Schuchardt, Hugo (1928). Mittheilungen aus georgischen Handschriften. Bulletin de l'Université de Tiflis, 8, 347-376. (Brevier / Archiv Nr. 769).

Stone, Michael E. (2006). Apocrypha, Pseudepigrapha, and Armenian Studies: Collected papers.(2 Bände). Leuven u.a.: Peeters.

Herkunft der Digitalisate

Die von Grigor Khalatian an Hugo Schuchardt verschickten Briefe befinden sich in:

Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen