Hugo Schuchardt an Mathias Murko (09-HSMM07)
von Hugo Schuchardt
24. 11. 1903
Deutsch
Schlagwörter: Meringer, Rudolf Graz
Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Mathias Murko (09-HSMM07). Graz, 24. 11. 1903. Hrsg. von Helena Reimann (2022). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.9773, abgerufen am 09. 06. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.9773.
„О мој синко, Краљевићу Мурко!
Ожени се, мој премили сине ...“ 1
Und Held Murko zieht auf weissem Zelter
Stracks gen Süden, kiest sich eine Schöne
Und bringt nach dem weissen Graz zurück sie.
Denkt nicht mehr an Rauchloch und an prispa,
Nicht an Feuerborke, mehr und Ofenbänke;
Nicht an Freunde Kirchenstubenhäuser,
Denkt nur dran ein eigenes Haus zu bauen
Mit zwei Feuern – und mit Badezimmer.
Möge er dreihundert Jahre leben;
Dass er Musse finde dem geschriebnen
Hause auch den Dachstuhl aufzusetzen.
Und inzwischen rufen froh wir alle:
Heil und Glück dem Kraljevitschu Murko!
Heil und Glück der trauten Ehgesponsin
1 Anspielung auf das serbische Volkslied Женидба Марка Краљевића (= Heirat des Königssohnes Marko). Im Original heißt es: "О мој синко, Краљевићу Марко! (...) Ожени се, мој премили сине." Marko Mrnjavčević (bekannter als Kraljević (=Königssohn) Marko) war serbischer König im 14. Jahrhundert. Die historische Figur diente als Grundlage für den Volkshelden, der in der Volkspoesie des ganzen Balkan als unbesiegbarer Einzelkämpfer gegen die Türken gefeiert wird. Schuchardt ändert den Namen in Königssohn Murko. Die Glückwünsche zur Heirat werden im Ton der serbischen Volkslieder verfasst.
Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung von: Narodna in univerzitetna knjižnica Ljubljana. (Sig. HSMM07)
