Ernst Windisch an Hugo Schuchardt (05-12811)
von Ernst Windisch
an Hugo Schuchardt
09. 07. 1880
Deutsch
Zitiervorschlag: Ernst Windisch an Hugo Schuchardt (05-12811). Leipzig, 09. 07. 1880. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2020). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.9434, abgerufen am 11. 09. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.9434.
1. Karte (ut fert animus). 1
S. 132 zu § 36 die Bemerkung, daß die Iren corcur etc. von den Cymren empfingen, ist sehr schön. Ich bin geneigt das zu glauben. Es stimmt zu meiner natürl. auch von Andren vor mir gehegten Annahme, daß die Iren das Christenthum von Brit. aus erhalten haben (wie sich das in der S. Patr.2 Legende ausspricht). Da könnte auch ir. notlaic Weihnachten = natalicia in Betracht kommen, dessen O nur auffallend ist.
Auch ad § 56 ist Ihre Auffassung sehr schön. Gr. S. 119 3. Z. v. u. (Keil. S. 139) ist mís mís im M., ich dachte „bis zum Ende des Monats, einen Monat lang“. Es kann aber Duplographie sein. In den Texten sind auch die Ungenauigkeiten nach dem Facsimile der Handschrift, also keine Druckfehler.
Mit dem Accent rathe ich zur größten Vorsicht. Was ich von Zimmer’s Andeutungen über seine Ansichten gesehen habe, nimmt mich vor der Hand nicht für dieselben ein (z. B. das was er über berimm gesagt hat).
Gr. § 60ff., bes. 63 habe ich auf Verners Gesetz anspielen wollen.3
berraim ich schwör ist nach meiner Vermuthung (Curt. Grundzüge5)4 Denom. von berr kurz.
Krit. S. 139 außer dod fongad darf ich für meine Auffassung geltend machen, daß in der ältern Sprache ich schwör tongu, nicht tongaim, heißt, als conjuncta Flexion.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
EW.
1 Windisch nimmt zu einzelnen Punkten von Schuchardts Rez. seiner Kurzgefassten Irischen Grammatik, ZrP 4, 1880, 124-155, Stellung.
2 Patrick von Irland, christlicher Missionar und Nationalheiliger Irlands, der möglicherweise aus Wales stammte.
3 Das Gesetz beschreibt eine im Urgermanischen wirksame Ausnahme der ersten germanischen Lautverschiebung, und zwar die Sonorisierung neu entstandener stimmloser Reibelaute.
4 Georg Curtius, Grundzüge der griechischen Etymologie, Leipzig: Teubner, 51879 (unter Mitw. von Ernst Windisch umgearb. Aufl.).
