Gustav Ludwig Weigand an Hugo Schuchardt (17-12715)
an Hugo Schuchardt
13. 02. 1912
Deutsch
Schlagwörter:
Italienisch
Neugriechisch
Deutsch
Zitiervorschlag: Gustav Ludwig Weigand an Hugo Schuchardt (17-12715). Leipzig, 13. 02. 1912. Hrsg. von Luca Melchior (2022). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.9429, abgerufen am 24. 01. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.9429.
L. 13. Febr. 1912
Hochverehrter Herr College!
Die Albanesen k[…]nnen1 weder Schifferei noch Fischerei, oder doch nur in der allerprimitivsten Weise. Die tk. Regierung hat Herrn Missirli nach Durazzo gesandt, ob der dortigen Bevölkerung durch ital. Fischer das Handwerk beizubringen. Was an Terminologie vorhanden ist, ist ital. oder neugr. Ursprungs. Die Albanesen sind erst in neuerer Zeit an die Küste gekommen, sie sind ein thrakisches Gebirgsvolk (mit illyrischen Elementen im ethnogr. u. ling. Sinne). An den Binnenseen haben sie etwas Fischerei |2| von den Slaven erlernt. Ich werde Ihnen von Durazzo aus schreiben, ob Missirli, (der perfekt deutsch spricht), noch dort ist und was er erreicht hat. In Elbassan hat man den Škumb2 , aber versteht weder mit Angel noch mit Netz Fische zu fangen; das Land ist in jeder Beziehung noch furchtbar zurück u. mir graut es davor aber es muß sein.
Mit besten Grüßen
G. Wgd.
1 Aufgrund eines Tintenflecks ist es nicht möglich zu erkennen, ob an dieser Stelle „kennen“ oder „können“ geschrieben steht.
2 Wahrscheinlich der Fluss Shkumbin, der in Albanien fließt und entlang dessen einst die Via Egnatia lief.
