Paul Boehme an Hugo Schuchardt (03-01186)

von Paul Boehme

an Hugo Schuchardt

Weimar

10. 02. 1907

language Deutsch

Schlagwörter: Richter, Gustav Weimar Ägypten Gotha Jena Dänemark

Zitiervorschlag: Paul Boehme an Hugo Schuchardt (03-01186). Weimar, 10. 02. 1907. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2022). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.9408, abgerufen am 06. 10. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.9408.


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Weimar 10. Februar 1907.

Mein lieber Freund!

Das ist für mich eine große Freude, daß mein Gruß in den steirischen Bergen ein so lautes Echo geweckt hat. Nun willst Du wissen, welche Zeitung so indiskret gewesen ist mir Deinen Geburtstag zu verrathen. Antwort: Die Nationalzeitung, die in ihrem Feuilleton eine stehende Rubrik „Hochschulnachrichten“ hat. Weiter: Wer die Mitglieder der Heptas sind? 1) V. E. Dor aus Vevey, Reformator des ägyptischen Schulwesens unter Nubar Pascha, früh in Ägypten gestorben,1 2) H. Klapp, Gymn. Direktor in Wandsbeck,2 ist mir später einmal mit seiner Familie im Harz begegnet, nun auch seit einer ziemlichen Reihe von Jahren todt, 3) Adolf Buff,3 vorher Erzieher des englischen Prinzen Herzog von Albany, dessen Sprößling jetzt Dein Gotha beherrscht, dann englischer Pensionär und städtischer Archivar in Augsburg, nach meiner Schätzung vor etwa vier bis fünf Jahren verstorben, 4) O. Karlowa in Heidelberg † in den ersten Tagen des Jahres 1904,4 5.) G. Richter, den ich in Weimar, Jena und Pforte wiederholt gesehen, auch am 31. Jan. 1904 zur Ruhe geleitet habe.5 Nun bleibe ich also noch übrig |2| und kann nur sagen, daß ich ein ziemlich einförmiges, trotzdem aber nicht unbefriedigendes Schulmeisterleben (1862-63 in Posen, 63-66 in Wernigerode, 66-69 in Puttbus auf Rügen, 69-1903 Mich.6 in Pforte) geführt habe, hauptsächlich als Historiker und auch wissenschaftlich mit thüringischer Lokalgeschichte beschäftigt. Meine Gattin habe ich mir 1865 in Wernigerode genommen und von ihr vier Kinder erhalten, davon aber die beiden jüngsten, einen Knaben im zehnten und eine Tochter im zwanzigsten Lebensjahre verloren, zwei Wunden, die stets von neuem bluten, so oft ich daran denke. Der mir gebliebene älteste Sohn ist Bürgermeister in einer kleinen Stadt der Provinz Sachsen, während die Tochter mit einiger väterlicher Eitelkeit darf ich wohl sagen, ein besonders tüchtiges Mädchen, die Häuslichkeit ihrer Eltern – seit meiner Pensionierung Michaelis 1903 in Weimar – theilt und das belebende Element des Hauses ist; das Ziel meiner Ferienreisen ist besonders der Norden (Nordsee, Dänemark, Norwegen und Schweden) gewesen, während ich im Süden nur Theile der bayerischen und österreichischen Alpen kennengelernt habe. Und nun werde auch ich wohl nicht mehr in weitere Fernen kommen, da ich Dir im Alter mehr als drei Jahre voraus bin, übrigens auch mit dem Herzen ernstlich zu thun gehabt habe, namentlich zur Zeit meiner Pensionierung. Da hast Du nun meinen Lebenslauf, der wenig Bemerkenswerthes bietet. Nun lasse es Dir wohl gehen, alter Freund, und erfreue mich bei Gelegenheit wieder einmal durch ein Briefchen.

Mit herzlichem Gruße
Dein Paul Boehme.


1 Keine näheren Angaben.

2 Dr. Hermann Klapp, von 1872-1894 Schulleiter des MCG (Matthias-Claudius-Gymnasium) in Hamburg-Wandsbek.

3 Adolf Buff (1838-1901), vgl. www.stadtlexikon-augsburg.de

4 Otto Karlowa (1836-1904), deutscher Rechtswissenschaftler, Promotion Dr. iur. Bonn 1862 (De natura atque indole synallagmatos, quod emptioni, venditioni, ceterisque obligationibus mutuis inesse dicitur) .

5 Gustav Richter (1838-1904), Altphilologe, Historiker und Pädagoge, vgl. HSA 09582-09584.

6 Am bzw. um den Michaelistag (29. September) endete in früheren Zeiten das Schuljahr; später wurde der Ostertermin eingeführt.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 01186)