Hugo Schuchardt an Julio de Urquijo Ybarra (337-s.n.)
von Hugo Schuchardt
16. 02. 1915
Deutsch
Schlagwörter: Revue internationale des études basques Gsell, Alois Pimenta, Alfredo Lacombe, Georges England Schuchardt, Hugo (1915)
Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Julio de Urquijo Ybarra (337-s.n.). Graz, 16. 02. 1915. Hrsg. von Bernhard Hurch und Maria José Kerejeta (2007). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.919, abgerufen am 15. 08. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.919.
Graz, 16. 2. '15
Lieber Freund,
Vorgestern habe ich das Buch von Gsell und gestern Ihren Brief vom 19. Jänner erhalten.
Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre Bemühung wegen jenes Buches und bitte mich vorderhand in Ihr Schuldbuch einzutragen — bis wieder ein regelmäßiger Verkehr sein wird. Wahrscheinlich werde ich nun die Arbeit, zu der ich dieses Buch benötige, in einiger Zeit abschließen. Meine Abhandlung: "Baskisch gleich Iberisch oder gleich Ligurisch"1 wird in den nächsten Wochen gedruckt werden, |2|und sie könnten sie vielleicht schon Anfang April in den Händen haben.
Wie wird es nun weiter mit den Studien werden, welche uns verbinden? Daß wegen des nationalen Antagonismus die Revue kaum Aussicht hätte fortzudauern das meinte ich gleich bei Ausbruch des Krieges und jetzt scheinen Sie meine Ansicht zu teilen. Gewiß aber werden Sie Mittel finden das von Ihnen Begonnene zu Ende zu führen, zunächst die Arbeit über die Sprichwörter.
Ich bedauere aufrichtig das Ungemach das Ihnen aus dem Krieg erwachsen ist. Ja, die Leidenschaften sind jetzt überall entflammt, selbst bei den phlegmatischen Engländern. Am wenigsten bei uns, man kann nicht von einem Haß der Deutschen auf die Franzosen sprechen, nur die |3|Verleumdungen die sie gegen uns aussprechen, rufen die lebhafteste Abwehr hervor. Der wahre Sinn des Krieges tritt immer stärker hervor; am besten finde ich ihn ausgedrückt in einer protugiesischen Zeitschrift, und zwar von A. Pimenta: é unica e exclusivamente uma guerra de interesses materiais entre duas nações: entre a Alemanha “nação nova que quer conquistar o seu lugar” e a Inglaterra "nação velha que quer manter-se onde está". Nur daß dies vom deutschen Standpunkt ein wenig abzuändern ist. Deutschland will nicht erobern, sondern nur Gleichberechtigung; England soll sich nicht als Alleinherrscher der Meere betrachten — sie sollen allen Nationen gehören.
Ich lege ein paar Zeilen an Lacombe bei; vielleicht haben Sie die Güte sie ebenso wie er die seinigen |4|an mich in einen eigenen Umschlag getan hat, mit einem solchen zu versehen und die Adresse Ihrer Hand darauf zu setzen. Ich fürchte, es könnte die Zensur sonst Bedenken finden.
Indem ich hoffe bald wieder einmal von Ihnen zu hören — die Briefe machen allerdings jetzt sehr langsame Reisen (auch von
Heidelberg,
Hamburg usw. erhalte ich Briefe erst nach 10, 14 Tagen) — grüße ich Sie herzlichst.
Ihr ergebener Freund
HSchuchardt
Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Koldo Mitxelena Kulturunea - Liburutegia (Fondo Urquijo). (Sig. s.n.)
