Oszkar Asbóth an Hugo Schuchardt (22-197)

von Oszkar Asbóth

an Hugo Schuchardt

Budapest

13. 02. 1911

language Deutsch

Schlagwörter: language Slawische Sprachenlanguage Serbischlanguage Russisch Schuchardt, Hugo (1911)

Zitiervorschlag: Oszkar Asbóth an Hugo Schuchardt (22-197). Budapest, 13. 02. 1911. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2022). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.9111, abgerufen am 04. 03. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.9111.


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Budapest d. 13/2 1911
II Bimbó u. 128

Sehr geehrter Herr Kollege!

Erst heute habe ich Ihre hochinteressante Abhandlung über den Nasaleinschub2 fertig gelesen u. werde noch oft in sie hineinblicken, so viel Anregung bietet sie zu allerlei Ausflügen auf geheimnisvollen Pfaden.

Erlauben Sie mir als Dank f. diese Anregungen, daß ich Sie auf einen kleinen Lapsus aufmerksam mache, den Sie gelegentlich vielleicht aus der Reihe der Argumentation ausschließen können. Sie sagen auf S. 81:

Am wenigsten nur für das Slawische, dem zwar die Gemination fremd, aber |2|auch die Verbindung Nasal + Konsonant fremdartig ist.

Dieser Gedanke wiederholt sich auf der folg. S. gleich zu Anfang des neuen Absatzes in der Mitte. Das kann man von den lebenden slav. Sprachen doch nicht so ohneweiteres sagen, gar nirgends merkt man auch nur das Geringste von Fremdartigem in derartigen Verbindungen, Sie mögen welche slav. Sprache immer auf das hin untersuchen. Ein serb.tanka-tanko (zum Msc. tanak), ein Branko aus Branislav, ein gen. sg. odlomka (zu odlomak), ein russ.gromko aus grom, ein dumskij zu duma u. hundert andere klingen in keiner slav. Sprache fremdartig, erscheint Ihnen der Gedanke an eine ältere gemeinslavische Lauterscheinung vorgeschwebt [zu] haben u. so sagen Sie etwas, was von den jetzigen slaw. Sprachen doch nicht recht |3| gesagt werden kann. Da Ihnen der Sachverhalt ja bekannt ist, so kann dies natürlich nur eine momentane Unaufmerksamkeit gewesen sein, die aber auch leicht irre führen kann. Im Serb., um noch ein Beispiel zu nennen, hat ein Wort von der Gestalt sumpor3absolut nichts Fremdartiges, ganz ebensowenig wie etwa sumnja.4

Sonst bieten Sie eine solche Fülle von fruchbaren Gesichtspunkten, daß die Abhandlung nicht unbemerkt an unsren Slavisten vorübergehen darf und ich danke nochmals für die freundliche Übersendung derselben, ohne die ich wohl erst spät darauf aufmerksam geworden wäre.

Mit bestem Gruß

Ihr

ergebener

Dr. O. Asbóth


1 „utca“ (Straße).

2 Schuchardt, „Zum Nasaleinschub“, Zeitschrift für romanische Philologie 35,1911, 71-92.

3 „Schwefel“.

4 „Zweifel“.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 197)