Anna von Zwiedineck an Hugo Schuchardt (15-13072)

von Anna von Zwiedineck

an Hugo Schuchardt

Graz

11. 01. 1896

language Deutsch

Schlagwörter: Schuchardt, Malvine Bauer, Mela Meyer, Gustav Graz Gotha

Zitiervorschlag: Anna von Zwiedineck an Hugo Schuchardt (15-13072). Graz, 11. 01. 1896. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2021). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.9001, abgerufen am 11. 09. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.9001.


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Graz 11/1 96

Wie froh bin ich über Ihre heutige gute Nachricht! Und gewiß hat Ihre Anwesenheit1 den größten Einffluß auf die günstigste Entwicklung des Zustandes Ihrer lieben guten Mama – den ich eigentlich noch immer nicht begreifen kann! – Es scheint also doch etwas ganz acutes gewesen zu sein? – Aber das ist ja jetzt egal wenn es nur besser wird! Es ist wirklich rührend wie der grimmig farige2|2| College Schuchardt, Scirocco Nerven & alles über Bord wirft, um der aufmerksamste Krankenpfleger zu werden! – Und nicht wahr wie beseeligend trotz aller Mühe das Gefühl – einem geliebten Wesen auch so etwas sein zu können – und nun gar dieser Mutter! Für eine Weile hebt es Einen doch empor über dieses irdische Gewimmel! –

Aber daß sich die arme Frau noch mit dem Gedanken an mich plagen muß – |3| thut mir schrecklich leid! – Am Ende komme ich doch noch zu ihr nach Gotha und dann suche ich mir das schönste modischste (?) Prachtstück des Hauses als Freundschaftstrophäe aus. –

Ich denke Sie mir auch am angegebenen Abend am Hofballe – bei uns wird zwar kein so feudales Fest – aber immerhin ein Festabend zur selben Zeit sein.

Also genießen Sie ihn lieber Freund recht fröhlich und ohne Sorge um Mama! |4| Die wird sich gewiß freuen ihren berühmten „Einzigen“ fêtirt zu sehen! oder – hören!

Ihren Brief sandte ich sofort an Frau Mela3 – aber auch Meyer4 erkundigt sich immer sehr angelegentlich bei mir um Mamas Befinden. Und die gute Auguste grüßen Sie mir auch – nicht wahr – solche Menschen sind seelengut – aber trotz dem oft Geduld consummirend! – Vielleicht kriegen Sie eine bessere Pflegerin? als diese jetzige Nonne?

Küsse[n] Sie der verehrten Frau statt mir5 die Hand – recht innig. – Gott wie wünsche ich Ihren nächsten Brief so gut wie heute. Viel Liebes von den Meinen!

Herzlichst Ihre alte getreue
A Z.


1 Schuchardt war ab Januar 1896 mehrmals in Gotha, zuletzt wohl im Oktober, dann wieder April und September 1897.

2 Was ist gemeint? „fahrig“, „faxig“?

3 Mela Bauer, Frau von Adolf Bauer; vgl. HSA 00678-00803. Sie war die Tochter des Obersten Emanuel Smekal.

4 Gustav Meyer (1850-1900), Indogermanist in Graz, Schuchardts Kollege und zeitweiliger Freund und Nachbar; vgl. HSA 07160-07183.

5 gem. „meiner“!

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 13072)