Alfred Heinrich an Hugo Schuchardt (01-04524)

von Alfred Heinrich

an Hugo Schuchardt

Ljubljana

10. 03. 1885

language Deutsch

Zitiervorschlag: Alfred Heinrich an Hugo Schuchardt (01-04524). Ljubljana, 10. 03. 1885. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2021). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.8774, abgerufen am 18. 07. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.8774.


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[Laibach, 10.3.1885]1

Hochgeehrter Herr Professor!

Herzlichen Dank für die auf Ihr Werk2 Bezug habenden literarischen Anzeigen. Sie können auf mein Geschreibsel über jenes keinen Einfluß mehr ausüben. Denn erstens habe ich dasselbe zum Abschlusse gebracht, und zweitens ist es alles, nur keine wissenschaftliche Besprechung oder gar eine Kritik Ihrer Arbeit. Zu einer solchen fehlt mir |2| gar viel, ja vielleicht alles. Ich habe vielmehr 5 Schriftbogen vollgekritzelt (d. h. die Abschrift meines Stenogrammes ist so umfangreich), indem ich Zweck und Inhalt und Verdienst Ihrer Schrift dem Publikum unseres „Wochenblattes“3, für das meine Worte bestimmt sind, darlegte; hiezu kommen einige interessante Beispiele von Sprachmischung, wie dieselben gerade hier und wohl überall, wo gute Deutsche wohnen, |3| Verständnis u. Interesse finden, und endlich und hauptsächlich ist Ihr Werk in seiner allgemeinen, thesenhaften Ansprüchen, als Anspruch der Wissenschaft zu Beweisen für die Richtigkeit der Anschauungen unserer Partei gegen die Slovenen benutzt. Nun werde ich dieses mein – etwas umfangreiches – Elaborat dem Redacteur Dr. j. Schaffer4 senden. Wird es gedruckt,5 so darf doch niemand mich als Autor kennen lernen, weil dies meiner Gram- |4| matik u. dem Verleger derselben viel schaden würde;6 wie? auseinanderzusetzen, ein andermal, vielleicht persönlich.

Eines hat meine Erwähnung für Ihr Buch, es wird vor einem ziemlichen Leserkreise u. z. vor den Intelligentesten unserer Provinz gerühmt.

Indem ich für Ihre gütigen Bemerkungen über mein Büchlein bestens danke u. um die Fortdauer Ihres Wohlwollens bitte, bin ich

Euer Hochwohlgeboren
ergebener Diener
A. Heinrich

L. 10/3 85


1 Wolf, Nachlaß, 208, gibt fälschlich den 30.3.1883 als Briefdatum an. Die Zahlen 3 und 5 ähneln sich zwar in der Handschrift Heinrichs, aber das Erscheinungsdatum der Miklosich-FS (vgl. die folgende Anm.) ist 1884, was ebenfalls für die Jahreszahl 1885 spricht.

2 Schuchardt, Dem Herrn Franz von Miklosich zum 20. November 1883. Slawo-deutsches und Slawo-italienisches. Graz: Leuschner & Lubensky, 1884.

3 Laibacher Wochenblatt. Organ der Verfassungspartei in Krain (gedr. bei Leykam in Graz), Verleger und verantwortlicher Redacteur: Franz Müller in Laibach. – HSA weist die Rez. nach: A. H. [=Alfred Heinrich], Laibacher Wochenblatt 39(277), 1885, 1-2.

4 Dr. iur. Adolf Schaffer (1840-1905), führender deutscher Funktionär in Laibach, 1871 Sekretär, dann lange Obmann des Konstitutionellen Vereins, 20 Jahre Intendant des deutschen Theaters; bis 1905 Obmann des Deutschen Vereins für Krain.

5 Schaffer war Mit-Herausgeber der Vereinigte[n] Laibacher Zeitung ; aber vorher war doch vom Wochenblatt die Rede?

6 Alfred Heinrich, Deutsche Schulgrammatik, Laibach: Kleinmayr, 1885 (kein Bibliotheksnachweis!!).

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 04524)