Hugo Schuchardt an Josef von Karabacek (37-0564-13,3)
von Hugo Schuchardt
19. 02. 1916
Deutsch
Schlagwörter: Diezstiftung
Romanische Sprachen
Berberisch
Latein
Germanische Sprachen Schuchardt, Hugo (1918) Schuchardt, Hugo (1916)
Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Josef von Karabacek (37-0564-13,3). Graz, 19. 02. 1916. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2019). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.8460, abgerufen am 21. 01. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.8460.
Graz 19.2.16
Sehr verehrter Herr Kollege,
Ich sage Ihnen meinen besten Dank für den Aufsatz über die „angebliche Ganymed-Musterung“.1 Von Supkas Abhandlung im Archaeol. Értesitö hatte ich schon 1914, da ich diese Zeitschrift erhalte, oberflächliche Kenntnis genommen.2 Da bei der Wiedergabe der Bilder rechts und links vertauscht sind, so bietet die menschliche Figur dem Altar die Trinkschale mit der linken Hand dar; aber das macht wohl nicht aus?
Ihre Sendung habe ich als |2| Zeichen betrachtet daß Sie mir wegen meiner Ablehnung in Sachen der Diez Stiftung nicht grollen,3 und so erlaube ich mir eine Bitte an Sie zu richten. Die größere Abhandlung an der ich nun schon so lange herumbastele (über die romanischen Lehnwörter im Berberischen)4 ist noch immer nicht zu Ende gediehen; eine Anmerkung dazu (über berberische Hiatustilgung) ist aber so gewachsen daß ich sie abtrennen mußte und nun der Akademie als selbständige Abhandlung vorlegen will. Sie ist nahezu fertig und wird nicht |3| mehr als zwei Druckbogen in Anspruch nehmen. Für mich ist nun die Frage, könnte Sie überhaupt baldigst gedruckt werden? Die neuen Einberufungen haben vielleicht stärkere Hemmungen zur Folge. Wenn die Aussichten keine guten sind, behalte ich lieber die Hds. noch zurück, weil ja im Laufe der Zeit sich immer noch Nachträge und Besserungen ergeben. Freilich heißt es bei mir doch: periculum in mora;5 ich merke z. B. daß ich die diakritischen Zeichen nicht ganz so leicht mehr ausnehme wie früher.6
Mit herzlichem Gruß
Ihr ganz ergebener
HSchuchardt
1 Karabacek, „Über einen frühmittelalterlichen Zeugdruck mit angeblicher Ganymed – Musterung“, Anzeiger Wien, phil.-hist. Klasse 53, 1916, 9-15.
2 Geza Supka, „Motívumvándorlás a korábbi közepkórban (Motivwanderung im frühen Mittelalter)“, Archeologiai Értesitö 34, 1914, 1-19, 89-110, 184-203; Ders., „Das Rätsel des Goldfundes von Nagyszentmiklós“, Monatshefte für Kunstwissenschaft 9, 1916, 13ff.
4 Schuchardt, „Die romanischen Lehnwörter im Berberischen“, SB d. Wien. Ak. 188, IV, 1918, 1-82. Auch hierzu gibt es im Anzeiger. Akademie der Wissenschaften, Phil.-Hist. Kl., 55. Jg., 1918, 98 eine diesmal nur knappe Selbstbeschreibung Schuchardts: „Unter ,romanisch‘ ist hier ,lateinisch und romanisch‘ verstanden, da beide Gruppen sich nicht streng auseinanderhalten lassen. Das Hauptaugenmerk ist aber auf die lateinischen Lehnwörter im e. S. gerichtet, von denen als Zeugen der römischen Kultur oftmals gesprochen wird, bisher aber nur wenige und z.T. unsichere Beispiele gegeben worden sind. Die nun vorgelegten gehören den verschiedensten Kreisen an, so avia, baca, bucca, caseus, coagulum, mattone, maxilla, nebula (Fladen), panna (Pfanne), riga (Wassergraben), solea, tabanus, taeda, tēmo (Schober) usw. Daneben auch ein Wort germanischen Ursprungs: berb, bergen (Schober). Gelegentlich werden Wörter erwähnt, die in umgekehrter Richtung entlehnt worden sind, wie aesculus und cerrus“ [ https://archive.org/details/anzeiger55stuoft].
5 „Gefahr im Verzug“ (römischrechtlicher Begriff).
6 Schuchardt, „Berberische Hiatustilgung“, Sitzungsberichte d. Wien. Ak. 182, 1916,1-60.
Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek. Siehe: [Portal]/Österreichische Nationalbibliothek, " Schuchardt, Hugo, 1842-1927 [VerfasserIn] ; Karabacek, Joseph von, 1845-1918 [AdressatIn]" (Sig. 0564)
